
Reisebericht Mongolei: Weite erleben – Menschen begegnen
Unendliche Weiten und bewegende Begegnungen: Vom 5. bis 18. September führte eine Alumni-Reise unter Leitung der beiden Alumnae Mirjam Würsch und Ruth Baumgartner in die Mongolei. Ihr Reisebericht erzählt von wilden Pferden, eindrücklichen Landschaften und überraschenden kulturellen Einblicken – und davon, wie eine Reise durch die Steppe nicht nur den Horizont, sondern gelegentlich auch die Komfortzone erweitert.
Ulaanbaatar begrüsste uns mit einem Regentag – da kam der Besuch im neuen Chinggis Khan-Museum zwar gelegen, war aber nach der langen Reise und der grossen Zeitverschiebung für alle eine Prüfung des Durchhaltewillens. Trotzdem vermittelte uns unser Guide Tamir, einen schönen Überblick über die bewegte Geschichte der Mongolei. Später, beim Nachtessen, überraschten er und MonDiscovery, unser mongolischer Partner-Reiseveranstalter, alle Teilnehmer sogar mit dem Besuch eines Kalligraphen, der allen ein persönliches Schriftstück kreierte.
Der Ausflug zur Chinggis Khan Statue gab der Reisegruppe am nächsten Tag einen Einblick in die grosse Bedeutung dieses ehemaligen Herrschers für die heutige Mongolei. Beim Mittagessen unterhielten uns junge Musiker mit zwei traditionellen, mongolischen Musikstilen: Pferdekopfgeige und Kehlkopfgesang – auch dies eine unerwartete Einlage, die wir sehr genossen. Die Fahrt durch den Terelj-Nationalpark mit seinen wunderschönen Gesteinsformationen und der Spaziergang hinauf zu einem buddhistischen Meditationszentrum rundeten einen ereignisreichen ersten Tag ab.
Am Montag wurden die Einblicke in die mongolische Hauptreligion während eines Besuchs im Gandan Kloster in Ulaanbaatar vertieft. Auch hier konnte uns Tamir die Kultur des tibetischen Buddhismus mit vielen Erklärungen näherbringen.
Gobi B – unendliche Weite
Der Flug nach Gobi Altai eröffnete einen ersten Eindruck in die riesigen, fast menschenleeren Landschaften, welcher durch die anschliessende Reise nach Takhiin tal noch eindrücklicher wurde. Sieben Stunden Fahrt durch menschenleere Gebiete, einige kleine Dörfer und das Altai-Gebirge mit wechselnden Farben und Formen – da war der Spaziergang auf einer lieblichen Hochebene mit Pappel-Wäldern höchst willkommen.
Gegen Abend kam die Reisegruppe in ihren Landcruisern in Takhiin tal an und konnte ihre Jurten beziehen – Touristenjurten zwar, aber sie vermittelten trotzdem etwas den Eindruck eines mongolischen Heims. In Takhiin tal steht das Nationalparkhaus der Great Gobi B SPA und es ist auch der Ort, wo die Wiederansiedlung der Przewalskipferde 1992 durch die International Takhi Group begann. Und ebendiese Przewalskipferde oder Takhi wollten wir aufspüren. Ein Trip zu den Five Hills, die einen Überblick über einen Teil der Wüste Gobi vermitteln, führte uns bereits an einer Gruppe Takhi vorbei, die immer mal wieder das ursprüngliche Angewöhnungsgehege aufsucht. Hingegen konnten wir von den Five Hills aus, keine weiteren Tiere ausmachen. Um die Weite nicht nur zu sehen, sondern auch zu erleben, erkundeten die meisten Gäste die Rückkehr nach Takhiin tal in drei bis fünf Stunden zu Fuss.
Da in Takhiin tal immer wieder Forschende logieren, hatten wir am nächsten Tag das Glück, dass sowohl der ehemalige Nationalparkdirektor Ganbaatar wie auch zwei Pferdeforscherinnen uns in die Wüste begleiteten und Interessantes aus ihren Tätigkeiten erzählen konnten. Feldstecher und Teleskop sind hier ein Muss – ohne kann man die Tiere kaum ausmachen. Trotz der grossen Distanz ist es immer wieder schön, Takhis, Khulane und Kropfgazellen zu sehen und zu merken, dass sie hier wirklich wild leben und Distanz halten. Am Abend führten uns Toogoo, Tourismus-Verantwortlicher in Takhiin tal, und Tamir in die traditionellen Knochenspiele der Nomaden ein. Beim „Pferderennen“ winkte als Sieg die Möglichkeit, einem diesjährigen Fohlen einen Namen zu geben.
Der Ruhetag wurde von allen genutzt, um eine Wanderung in einem – für Gobi-Verhältnisse – recht fruchtbaren Tal mit Raubvögel-Horsten zu machen, eine lokale Schule mit nur 3-5 Schülerinnen und Schülern pro Klasse und eine Nomadenfamilie in ihrer Jurte zu besuchen. Die Einsamkeit des Nomadentums sowie die einfache Lebensweise beeindruckte alle sehr. Die angebotenen Speisen zum Milchtee kamen in der Reisegruppe unterschiedlich gut an. Während Boortsog an unsere Fasnachts-Schenkeli erinnerten, war Aarul für den westlichen Gaumen extrem gewöhnungsbedürftig – doch unsere mongolischen Fahrer und Guides liebten es. Eine weitere mongolische Spezialität – Buuz (mongolische Teigtaschen) – durften wir am Abend unter Anleitung des Küchenteams gleich selbst herstellen. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen: aber sie schmeckten fein, auch wenn sie nicht perfekt aussahen.
Die nächsten zwei Tage sollte die Gruppe noch tiefer in die Gobi B vorstossen und zwei Nächte im Zelt verbringen. Zwei Teilnehmerinnen mussten hier leider passen, da sie mit leichtem Fieber eine etwas erholsamere Zeit in einem Hotel in Altai sum verbringen wollten. Die anderen konnten bei der Oase Takhiin us weitere Takhi beobachten und gegen Abend spähte sogar ein Wolf durch das hohe Gras.
Die Fahrt durch die Schlucht und der Besuch von Yaman us waren zwar eindrücklich – speziell die Felszeichnungen aus der Bronzezeit begeisterten – hingegen war an ein Zelten auf der Hochebene nicht zu denken. Ein starker Sturm war aufgekommen und es musste eine andere Lösung gefunden werden. Hier kam das Improvisationstalent von Toogoo zum Tragen: Er bot der Gruppe ein frisch renoviertes Haus in Altai sum an, dessen Besitzer noch nicht eingezogen war. Auf diese Weise konnten auch die in der Zwischenzeit erholten Teilnehmerinnen aus dem nahen Hotel wieder zur Gruppe stossen und bei einem Khorkhog, Vodka und Gesang den letzten Abend in der Gobi B feiern.
Eine weitere lange Fahrt durch das Altai-Gebirge brachte uns zum Khar us nuur, der bei Ornithologen bekannt ist. Von einem Aussichtsturm aus kann man den flachen See überblicken und Vogelgruppen beobachten. Trotzdem waren alle froh, wieder stabilen Boden unter den Füssen zu haben – so ganz mochte man dem Turm nicht trauen. Nach einer Übernachtung in Khovd brachte uns das Flugzeug wieder in die belebte Hauptstadt Ulaanbaatar zurück. Die Fahrt zum Hotel führte über das etwas martialische Zaisan Denkmal, von dem aus man eine gewaltige Aussicht auf die riesige Stadt und die umliegenden Jurtengürtel hat.
Den letzten Tag in Ulaanbaatar verbrachten die meisten mit Shopping und Museumsbesuchen. Er endete mit einem Abendessen über den Dächern von Ulaanbaatar und dem Abschied von Tamir, unserem liebgewonnenen Guide, bevor wir eine letzte, kurze Nacht im Hotel verbrachten: aufstehen um 4:30 Uhr. Nach über 18 Stunden Reise landete die Alumni-Reisegruppe müde, aber mit vielen einzigartigen Erinnerungen in Zürich. Mit einer Patenschaft für ein Takhi-Fohlen in der Mongolei wird die Alumni-Reisegruppe auch in der Mongolei verankert bleiben.

Weitere Impressionen
Text und Fotos: Mirjam Würsch
Titelbild: Khulanherde in der Great Gobi B
