
175 Jahre Bundesverfassung – Herbstanlass in Bern
Am Samstag, 4. November, folgten 90 Mitglieder von UZH Alumni der Einladung zum Herbstanlass unter dem Motto «175 Jahre Bundesverfassung» nach Bern. Staatssekretärin und UZH-Alumna Christine Schraner Burgener hielt ein Impulsreferat zu den Perspektiven für das Migrationsland Schweiz, gefolgt von einem Podiumsgespräch zur Zukunft der Schweiz mit vier Parlamentarier:innen aus unseren Alumni-Reihen unter Moderation von UZH-Alumna Esther Girsberger. Nach dem Mittagessen in der «Galerie des Alpes» mit Gedanken zur Geschichte der Bundesverfassung von Historikerin und Alumna Denise Schmid folgte für einen Teil der Gruppe die Führung durch das Bundeshaus mit Nationalrätin Min Li Marti. Ein anderer Teil der Gruppe begab sich auf die Führung durch die Stadt Bern unter dem Titel «1848 – Bern wird Bundesstadt».
Im ehemaligen Hotel Bernerhof, heute Sitz des Finanzdepartements, begrüsste UZH-Alumni-Präsident Alex Rübel am Morgen die Teilnehmenden zum Herbstanlass.
Schweiz mit ihrem Asylsystem gut für die Zukunft vorbereitet
Christine Schraner Burgener warf in ihrer Keynote zunächst einen Blick zurück auf die Geschichte der Schweiz vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland. Auch heute hänge die Zuwanderung noch stark von der Konjunktur ab. Die aktuelle Zuwanderung in die Schweiz sei wirtschaftlich motiviert und die grosse Mehrheit der Arbeitskräfte aus dem Ausland komme aus Europa. Die Fluchtmigration mache nur etwa 5% der dauerhaften Einwanderung aus, polarisiere aber am meisten. Asylgesuche würden in der Schweiz rasch bearbeitet, mit dem Ziel, effektiv Schutzbedürftigen schnell zu helfen und diese zu integrieren sowie andere Geflüchtete zeitnah wieder zurückzuführen. Mit ihrem Asylsystem sei die Schweiz gut für die Zukunft vorbereitet.
Nicht nur in der Ukraine, in über 25 Gebieten gibt es derzeit Kriege oder bewaffnete Konflikte, wie die Referentin auf einer Weltkarte zeigte. Schraner Burgener hielt fest, dass Geflüchtete von bewaffneten Konflikten oft in der Nähe bleiben wollten. Dies zeige sich auch beim Krieg in der Ukraine. Die Mehrheit der Geflüchteten aus der Ukraine sucht Schutz in Europa, etwa 66'000 lebten in der Schweiz. Der soziale Zusammenhalt in der Schweiz sei besonders wichtig für die Akzeptanz der Flüchtlinge, die in der Schweiz bleiben. Die Referentin bekräftigte die Bedeutung der internationalen und regionalen Kooperation, u.a. auf europäischer Ebene, angesichts der multipolaren konkurrenzorientierten Weltordnung.
Migration, Neutralität und Rente
Im anschliessenden Podiumsgespräch diskutierten die Nationalrät:innen Min Li Marti, SP, Barbara Steinemann, SVP, Beat Walti, FDP, und Ständeratskandidatin Tiana Moser, GLP, mit Esther Girsberger über die «Zukunft der Schweiz». In einer angeregten Diskussion ging es u.a. um Migration, Neutralität und Rente. Beat Walti bemerkte etwa, dass es in der Realität schwierig sei, eine Reduktion der Zuwanderung vorzunehmen. Tiana Moser betonte, dass sich das neue Asylsystem mit schnellen Verfahren und Rückführungen bewähre, auch sei die Schweiz hierbei konsequenter als andere europäische Länder. Einig waren sich alle, dass die Schweiz auch 2035 noch neutral sein werde, auch in einer veränderten Weltordnung. Einige sprachen sich für eine Flexibilisierung des Rentenalters aus. Ein Teil der Bevölkerung werde 2035 bei steigender Lebenserwartung auch noch mit 70 Jahren arbeiten, aber nicht alle.
Verfassung von 1848 in nur 51 Tagen gelungen
Für das Mittagessen wechselten die Alumni in das Restaurant «Galerie des Alpes» im Bundeshaus. Denise Schmid teilte in ihrer Tischrede ihre Gedanken zur Verfassung von 1848, deren Text in nur 51 Tagen erarbeitet wurde, und kam zum Schluss, dass sie zu den Dingen gehöre, die der Schweiz gut gelungen seien. Min Li Marti führte eine Gruppe Alumni im Anschluss durch die Kuppelhalle, den Ständeratssaal, den Nationalratssaal sowie durch die Wandelhalle. Eine zweite Gruppe Alumni trotzte dem nassen Novemberwetter und begab sich auf eine Führung durch Bern.
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Christina Gehres, UZH Alumni
Bilder: Manu Friederich
Impressionen:
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