FAN-Forschung: Intelligente Vogelhäuser

Published on June 18, 2026

Vögel sorgen für die Hintergrundmusik unseres Alltags und sind in Zürich fast so präsent wie die Menschen. Oft nehmen wir die Tiere aber gar nicht wahr. Das gilt nicht für André Ferreira. Der Ornithologe erforscht Wildvögel mit Hilfe von KI-bestückten Vogelhäusern. 2025 wurde er mit einem Fellowship des Fonds zur Förderung des akademischen Nachwuchses (FAN) von UZH Alumni unterstützt.

André Ferreira hat unzählige Stunden damit verbracht, Vögel zu beobachten. Für seine Doktorarbeit hat er den «sociable weaver» oder auf Deutsch den Geselligen Siedelweber in Südafrika erforscht. Dafür hat er sich stundenlang unter einer Decke in der Nähe eines Nests eingenistet und mithilfe eines Feldstechers versucht, die Vögel zu identifizieren und zu verstehen, wie sich Individuen verhalten. «Vögel haben viel mit uns Menschen gemeinsam. Wenn wir sie erforschen, können wir uns selbst vielleicht auch ein bisschen besser verstehen», sagt Ferreira.

Ein gutes Beispiel dafür sind eben die Siedelweber, die sich durch ihre Kooperationsfähigkeit auszeichnen. Sie bauen gemeinsam die grössten Nester der Welt, die teilweise bis zu einer Tonne schwer werden können. Und sie helfen sich gegenseitig bei der Aufzucht der Jungvögel. Um auszumachen, welcher Vogel welche Funktion in der Gemeinschaft hat, musste Ferreira die Tiere jeweils anhand von Plastikringen, die er an ihren Beinen befestigte, erkennen. «Das ist gar nicht so einfach, weil oft ein Ast oder ein Blatt die Sicht erschwert», erzählt Ferreira lachend.

FAN-Fellow André Ferreira leitet das Projekt «My Flock» mit Liliana Silva.

 

In Schweizer Gärten forschen

Im Nachhinein war diese Herausforderung aber ein Glück, denn sie inspirierte André Ferreira dazu, ein KI-Tool zu programmieren, das die Vögel identifiziert. Zuerst hat er die Vögel gechippt. Er stellte dann Kameras auf, die ausgelöst durch das Signal des Chips Fotos machten. So gelang es ihm, die KI mit Informationen und Bildern der einzelnen Vögel zu füttern, die dann wiederum lernte, diese zu unterscheiden. Nun möchte Ferreira diese Technologie in Schweizer Gärten anwenden. Dazu hat er ein intelligentes Vogelhaus mit Kamera entwickelt. Ferreiras Vogelhaus ist mit der App «MyFlock» verbunden. Diese informiert die Nutzer:innen über die Aktivität der Vögel in ihrem Garten oder auf ihrem Balkon und macht die neuesten Erkenntnisse der Forschung zugänglich.

Das Ziel ist, den Menschen ihre gefiederten Nachbarn näherzubringen und ein Bewusstsein für sie und ihr Verhalten zu schaffen. So können die Nutzer:innen den einzelnen Vögeln Namen geben und verfolgen, wie oft welches Tier bei ihnen vorbeischaut. Die gesammelten Daten werden an Ferreiras Forschungsteam übermittelt und ausgewertet. Besonders interessierte Nutzer:innen können sich auch an der Forschung beteiligen, indem sie Vorschläge machen können, welche Fragen als Nächstes untersucht werden sollen. «Wir wollen der Bevölkerung etwas zurückgeben und sie stärker in unsere Forschung miteinbeziehen», betont Ferreira.

Die Erforschung lokaler Vogelarten ist wichtig, um die Entwicklung der Bestände, die zum Teil rückläufig sind, zu analysieren. Die intelligenten Vogelhäuser erlauben, Tiere zu beobachten, ohne sie einzufangen und grossflächig Daten zu erheben. «Damit können wir Aussagen machen über die Folgen von Umweltveränderungen für die Vogelwelt», erklärt Ferreira.

Weitere Informationen zum Projekt


Über den FAN

Der Fonds zur Förderung des akademischen Nachwuchses (FAN) ist ein zentrales Förderinstrument von UZH Alumni für herausragende Forschende der Universität Zürich. Er unterstützt Talente aus allen Fakultäten und trägt damit zur Breite und Stärke des Wissenschaftsstandorts Zürich bei. Seit der Gründung 1998 hat der FAN über CHF 15 Millionen an mehr als 250 Nachwuchsforschende ausgeschüttet. Getragen wird er durch Spenden, Gönnerbeiträge und Legate von UZH-Alumni sowie durch Stiftungen.

www.fan4talents.uzh.ch


Text: Mia Catarina Gull
Dieser Artikel ist zuerst erschienen in UZH Magazin 01/26.