Fasziniert von der Mongolei: UZH-Alumnae Ruth Baumgartner und Mirjam Würsch

Published on January 9, 2025

Endlose Steppen, freilebende Urwildpferde und die herzliche Gastfreundschaft der Nomaden: Die Mongolei hat Ruth Baumgartner und Mirjam Würsch vom ersten Besuch an fasziniert. Die beiden UZH-Alumnae lernten das Land durch das Wiederansiedlungsprojekt der Urwildpferde «Takhi» kennen. Mit ihrer Alumni-Reise 2025 laden sie dazu ein, die beeindruckende Natur und Kultur der Mongolei selbst zu erleben. 

Die Mongolei ist ein Land der Kontraste: Mit einer Fläche, fast 38-mal so gross wie die Schweiz, aber weniger als halb so vielen Einwohnern, entfaltet das Land eine raue und zugleich atemberaubende Schönheit. Weite Steppen und karge Landschaften prägen das Bild. Doch es sind vor allem die Begegnungen mit den Menschen, die Ruth Baumgartner und Mirjam Würsch besonders schätzen. «Trotz sprachlicher Barrieren habe ich die Mongolen als offene Menschen erlebt. Ihre Herzlichkeit, die Musik und ihre Geschichten gehen direkt ins Herz», erzählt Mirjam Würsch.

Die Hauptstadt Ulaanbaatar zeigt die moderne Seite des Landes mit einem Lebensstil, der dem westlicher Grossstädte ähnelt. Demgegenüber stehen die nomadischen Traditionen, die auf dem Land noch immer lebendig sind. «Die Mongolei hat in den letzten 30 Jahren einen unglaublichen Wandel erlebt», berichtet Ruth Baumgartner. «Als ich das erste Mal da war, mussten wir einen Koffer voller Essen mitnehmen, weil es ausserhalb der Städte nichts gab. Heute gibt es sogar in den Jurten Kühlschränke und Fernseher.»

Wenn das Takhi die Heimat küsst
Die Veterinärin besuchte das Land zum ersten Mal in den 1990er Jahren im Rahmen des Wiederansiedlungsprojekts der Takhi. Takhi, bei uns auch als Przewalskipferde bekannt, galten in den 1960er Jahren in freier Wildbahn als ausgestorben. Zwischen 1900 und 1950 waren viele Fohlen aus der Steppe in europäische Zoos gebracht worden, wodurch die Population vor Ort kollabierte. Paradoxerweise war es genau die Haltung in Zoos, die danach das Überleben der Art langfristig sicherte. Dank erfolgreicher Zuchtprogramme konnte ein Bestand von rund 2'000 Tieren aufgebaut werden. Diese Population bildete später die Grundlage für das ambitionierte Wiederansiedlungsprojekt, an dem viele engagierte Personen in Europa und der Mongolei beteiligt waren. 

Ruth Baumgartner wurde als Tierärztin an der Zootierklinik in Zürich angefragt, ob sie den Transport eines Takhi-Hengstes aus Askania Nova (Ukraine) zur Weiterzucht in den Wildnispark Zürich Langenberg begleiten wolle. «Mein damaliger Chef, Professor Isenbügel, willigte sofort ein,» erinnert sie sich. In der Folge begleitete Ruth Baumgartner auch alle Transporte aus dem Wildnispark Zürich in die Mongolei. «Jeder Transport war ein Abenteuer für sich.» Die Urwildpferde wurden narkotisiert, in Boxen verladen und mit dem Flugzeug nach Ulaanbaatar gebracht, bevor es mit einer kleineren Maschine in die Gobi B ging. «Die Landebahn war einfach die Wüste hinter dem Camp», erzählt sie. Nach ihrer Ankunft in der Gobi B lebten die Takhi zunächst in einem grossen Gehege, um sich an die neuen Klima- und Futterbedingungen zu gewöhnen, bevor sie nach etwa einem Jahr in die Freiheit entlassen wurden.

Der Moment, wenn die Wildpferde ihre Transportkisten verlassen und das erste Mal die karge Steppe betreten, ist für die Beteiligten unvergesslich. «Die Mongolen sagen, das Takhi küsst seine Heimat, wenn es mit der Nase den Boden berührt. Dies zeigt, wie eng das Tier und das Land miteinander verbunden sind», berichtet Ruth Baumgartner weiter.

Unendliche Weiten, nahe an den Menschen
Auch Mirjam Würsch kam über die Takhi mit der Mongolei in Kontakt: «Asien stand eigentlich nicht auf meiner Bucketlist, und ich war auch nie ein typisches Ross-Meitli», schmunzelt sie. Durch ihre Arbeit als Biologin und Kommunikatorin im Wildnispark Zürich lernte sie Anfang der 2000er Jahre das Wiederansiedlungsprojekt der Takhi kennen. Zunächst fertigte sie die Papiere für den Transport der Tiere ab, später übernahm sie ehrenamtlich die Kommunikation der International Takhi Group. Ihre erste Reise in die Mongolei 2013 hinterliess einen bleibenden Eindruck: «Der Erfolg des Projekts als globales Beispiel für Artenschutz hat mich von Anfang an begeistert, aber die karge Schönheit der Landschaft und die Herzlichkeit der Menschen haben mich tief berührt.» 

In Takhin tal, wo die Ranger in festen Jurten leben, führt ein Ausflug auf eine Anhöhe mit spektakulärem Rundumblick über die Gobi B – ein Erlebnis, das Mirjam Würsch immer wieder begeistert: «Der Ausblick auf diese unberührte, karge Landschaft ist für mich jedes Mal ein Wahnsinnsgefühl.» Die scheinbar leere Landschaft, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Heimat zahlreicher Wildtiere, darunter die Takhi-Gruppen, die von den Rangern regelmässig gesichtet werden.

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der unendlichen Weiten erlebt man in der Mongolei eine grosse Nähe zu den Menschen. Gäste werden mit offenen Armen empfangen, oft mit einem Festessen, zu dem die Ranger ihre Familien mitbringen. «Wenn sie dann zu singen beginnen, spürt man ihre Verbundenheit und Emotionen, auch ohne die Texte zu verstehen. Diese Momente bleiben für immer in Erinnerung», schwärmt die Biologin.

Die Faszination teilen
Solche Begegnungen möchten Ruth Baumgartner und Mirjam Würsch mit anderen teilen. Die Alumni-Reise 2025 ist mehr als ein touristisches Erlebnis: «Unsere Reise ist keine 0815-Reise, bei der touristische Attraktionen abgeklappert werden», erklärt Mirjam Würsch. Tief in der Gobi B werden die Teilnehmenden die Urwildpferde in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten, Wanderungen durch die endlosen Steppen unternehmen und Nomadenfamilien besuchen, die noch immer ihre traditionelle Lebensweise bewahren. «Für uns ist die Reise weit mehr als ein Abenteuer. Sie ist eine seltene Gelegenheit, das Leben, die Kultur und die Natur eines aussergewöhnlichen Landes hautnah zu erleben», betont Ruth Baumgartner. 


Alumni-Reise in die Mongolei
5. bis 18. September 2025
Ab CHF 7'790 
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Ruth Baumgartner
Ruth Baumgartner studierte Veterinärmedizin an der UZH und startete ihre berufliche Laufbahn in der akademischen Forschung. Sie promovierte bei Professor Isenbügel und arbeitete als Tierärztin an der Zootierklinik. Später spezialisierte sie sich auf Wildtiere, baute beim Veterinäramt Zürich den Fachbereich dafür auf und war viele Jahre als stellvertretende Kantonstierärztin für den Tierschutz tätig. Seit 1996 engagiert sie sich als Vorstandsmitglied der International Takhi Group für die Wiederansiedlung der Urwildpferde in der Mongolei, die sie durch die Begleitung mehrerer Takhi-Tansporte aus der Schweiz entscheidend mitprägte. 

Mirjam Würsch
Nach einer Lehre als medizinische Laborantin studierte Mirjam Würsch Biologie an der UZH mit Schwerpunkt Anthropologie. Ihr Weg führte sie über verschiedene berufliche Stationen zum Wildnispark Zürich, wo sie nach Weiterbildungen am MAZ die Kommunikation übernahm. Für die International Takhi Group entwickelte sie die Website und unterstützt die Organisation in kommunikativen Belangen. Seit ihrer ersten Mongolei-Reise im Jahr 2013 ist sie tief von Land und Leuten beeindruckt – eine Faszination, die sie heute als Reiseleiterin gerne weitergibt. 


Text: Anna-Julia Lingg, UZH Alumni