
«Weltraum im Wandel»: Rückblick auf den Herbstanlass
Traditionell am letzten Samstag im Oktober trafen sich 65 Mitglieder von UZH Alumni zum Herbstanlass – diesmal im neu umgebauten Hangar des UZH Space Hubs im Innovationspark Zürich am Flughafen Dübendorf. Der UZH Space Hub präsentierte sich an seinem neuen Standort mit verschiedenen Start-ups, Partnern und Wissenschaftler:innen und gab faszinierende Einblicke in die Zukunft der Weltraumnutzung.
Prof. Dr. Oliver Ullrich, Direktor des 2015 gegründeten Space Hubs der Universität Zürich, blickte in seiner Keynote 100 Jahre zurück auf Dübendorf als Geburtsstätte der Schweizer Aviatik. Der damalige Flughof Dübendorf wurde von lokalen Gemeindevertretern beschlossen und ab 1920 wurde der Flugplatz militärisch und zivil genutzt, etwa für den ersten Passagierflug von Dübendorf nach Fürth bei Nürnberg.
Dübendorf ist bis heute ein aktiver Militärflughafen und bietet eine wichtige aviatische Infrastruktur für das UZH Space Hub. 2014 entschied der Bundesrat, Dübendorf mit dem Innovationspark weiterzuentwickeln. Seit 2018 findet auch die Forschung in Dübendorf ein ideales Umfeld. Heute sind dort neben dem UZH Space Hub u.a. die ETH und seit Langem auch die EMPA ansässig.
Professor Ullrich verglich die Zeit des Aufbruchs vor 100 Jahren mit der heutigen, in der sich Zürich als wirtschaftsstarker und innovativer Ort für die Raumfahrt und die Nutzung des unteren Erdorbits positioniert. So hat auch der Zürcher Regierungsrat im April die Raumfahrt als ein Leuchtturmprojekt definiert. Im Space Hub werde eine Brücke zur «New Space Economy» gebaut.
An der UZH beschäftigen sich bereits viele Forschungsgebiete mit dem Weltraum. Im UZH Space Hub arbeiten 35 Forschungsteams aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, etwa Erdbeobachtung, Biotechnologie, Medizin, Fernerkundung, Astrophysik, autonomes Fliegen und autonome Navigation. Der Fokus liegt auf der Anwendung, der Nutzbarmachung von Technologien für den Menschen. Ein faszinierendes Beispiel ist die Produktion von menschlichem Gewebe in der Schwerelosigkeit, wie Cora Thiel vom Start-up Prometheus Life Technologies AG am Nachmittag bei der Führung erläutert. Diese Gewebe könnten ohne Abstossungsreaktionen transplantiert werden.
Der Weltraum als Werkraum
Noch sei der Weltraum vor allem aufgrund der damit verbundenen Transportkosten relativ teuer und könne noch nicht als Werkraum genutzt werden, so Oliver Ullrich. Eine neue Epoche zeichne sich mit dem Ende der Internationalen Raumstation ISS im Januar 2030 ab. Tendenziell werden die Preise für Transporte in den Weltraum sinken und die Transportkapazität nicht mehr die Nutzung limitieren. Raketen sollen wiederverwendbar werden. Die Testflüge des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk sind Meilensteine und andere Akteure werden dazu kommen, führte Professor Ullrich aus. In der Zukunft werde es für traditionelle Firmen möglich werden, im All kostengünstiger zu produzieren und den Produktionsvorteil durch Schwerelosigkeit zu nutzen. In der «New Space Economy» könnten bessere oder ganz neue Produkte entstehen.
Im anschliessenden Podiumsgespräch über den Wandel im Weltraum diskutierte Professor Ullrich mit Heinz Haller, Vizepräsident des Stiftungsrats des Innovationsparks Zürich und Matthias Wüthrich, Professor für Systematische Theologie, unter Moderation von Thomas Gull von der UZH Kommunikation. Heinz Haller betonte das ideale Umfeld in Dübendorf und die gute Zusammenarbeit von Innovationspark und Space Hub. Der Theologe Matthias Wüthrich und Oliver Ullrich sprachen sich dafür aus, Religion und Wissenschaft wieder verstärkt zusammen zu denken. Weitere Themen waren die Ansiedlung weiterer Unternehmen am Innovationspark, die neue industrielle Revolution durch die Nutzung des unteren Erdorbits als Produktionsort sowie die Infrastruktur rund um den Innovationspark.
Nach dem Mittagessen erhielten die Alumni und Alumnae bei Führungen einen Einblick in die verschiedenartigen Forschungsprojekte und Start-ups am UZH Space Hub und konnten sich selbst ein Bild der interdisziplinären Zusammenarbeit machen. Das Startup Caeli Nova entwickelt Notfall-Sauerstoff-Systeme. Die Mitarbeitenden von Dufour Aerospace stellten ihre Kippflugdrohnen vor, die für medizinische Transportflüge im australischen Outback oder in den USA genutzt werden sollen. Und Cora Thiel von Prometheus Life Technologies stellte ihr auf die Herstellung von Organoiden in der Schwerelosigkeit spezialisiertes Start-up vor. Daneben lernten die Teilnehmenden die gemeinnützige Organisation Skylab Innovation Projects kennen, die sich mit der Optimierung von Flugzeugsinkflügen beschäftigt und anschauliche Flugsimulationen zeigte, sowie den Verein Startbahn 29, der u.a. Kartographie-Workshops für Kinder anbietet. Die Space-Gin-Bar sorgte für einen gemütlichen Ausklang des Herbstausflugs.
Christina Gehres, UZH Alumni
Bilder: Joanna Lesniewska
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