
Persönlich engagiert für die Alma Mater: UZH-Alumnus Balz Hösly
UZH-Alumnus Balz Hösly ist Partner bei der Wirtschaftskanzlei MME, Verwaltungsratspräsident der Greater Zurich Area sowie des Hallenstadions – und er engagiert sich als Vorstandsmitglied von UZH Alumni sowie als Präsident des Fonds zur Förderung des akademischen Nachwuchses (FAN) für seine Alma Mater. Ein Gespräch über Brücken zwischen Generationen, Gestaltungswillen und die Verantwortung von Alumni für die Zukunft von Wissenschaft und Gesellschaft.
UZH Alumni: Sie engagieren sich beruflich wie ehrenamtlich in verschiedenen Gremien. Was reizt Sie daran, Verantwortung zu übernehmen?
Balz Hösly: Man sagt mir einen ausgeprägten Gestaltungswillen nach, was, glaube ich, auch stimmt. Ich engagiere mich dort gerne, wo es Spielraum für Entwicklung und Neuausrichtung gibt. Die Wirkungsfelder sind vielfältig, doch begeistert mich, gemeinsam mit anderen Menschen etwas zu bewegen, Strukturen weiterzuentwickeln und Teams dafür zu gewinnen, sich mit Herzblut einzubringen.
Auf der Webseite Ihrer Kanzlei (mme.ch) werden Sie als «Brückenbauer zwischen Menschen, Familien und Generationen» beschrieben. Wie ist dieses Selbstverständnis entstanden?
Eigentlich vor allem nach rund zwanzig Jahren in der Wirtschaft. Dem Schritt «zurück» in die Advokatur ging ein intensiver Reflexionsprozess voraus, in dem ich mich bewusst für eine möglichst unabhängige, selbstständige Tätigkeit entschied. Bei allen meinen heutigen Rollen, sei es als Fachanwalt Erbrecht, als Verwaltungsratspräsident oder im Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements für die Universität Zürich, geht es im Kern immer um Menschen, und zwar meistens über Generationen hinweg. Familien und Familienunternehmen sind meine Passion. Besonders fasziniert mich die Verbindung von wirtschaftlichen Fragestellungen und emotionalen Dynamiken, die oft bei Nachfolge- und Erbfragen vorkommen.
Was macht diese Arbeit besonders anspruchsvoll?
Familienunternehmen vereinen zwei Systeme: ein rationales Wirtschaftssystem und ein emotionales Familiensystem. Daraus entstehen Spannungen, aber auch Chancen. Meine Aufgabe besteht vor allem darin, meinen Klienten Perspektiven aufzuzeigen und sie so durch komplexe Situationen zu lotsen, dass nachhaltige, tragfähige Entscheidungen entstehen. Gute Lösungen brauchen Zeit und müssen für die Betroffenen auch im Bauch stimmen. Nachlass- und Nachfolgeplanung ist im Grunde das Schaffen einer Ordnung, um den Familienfrieden zu bewahren.
Was hat Ihnen das Studium an der Universität Zürich für diese Karriere mitgegeben?
Mich haben schon früh breite Zusammenhänge interessiert. Ich war nie ein Spezialist im engen Sinn, sondern suchte immer Tätigkeiten mit grossem Wirkungsspektrum – beruflich wie privat. Das Studium der Rechtswissenschaften hat mir ein entscheidendes Fundament vermittelt. Ich habe gelernt, Recht als Ordnung des menschlichen Zusammenlebens zu verstehen: vom Staatsaufbau über Familienstrukturen bis hin zu wirtschaftlichen Beziehungen. Diese systemische Sicht prägt mich bis heute.
Bleiben Sie neugierig und flexibel, sammeln Sie internationale Erfahrungen, setzen Sie sich mit neuen Technologien auseinander und unterschätzen Sie nie den Wert von Netzwerken.
Was geben Sie heutigen Studierenden und jungen Alumni mit auf den Weg?
Etwas vom Wichtigsten auf dem heutigen Arbeitsmarkt ist, möglichst polyvalent einsetzbar zu sein – und vor allem auch zu bleiben. Bleiben Sie neugierig und flexibel, sammeln Sie internationale Erfahrungen, setzen Sie sich mit neuen Technologien auseinander und unterschätzen Sie nie den Wert von Netzwerken. Und: Bleiben Sie Ihrer Universität verbunden.
Seit 2025 präsidieren Sie den Fonds zur Förderung des akademischen Nachwuchses (FAN) von UZH Alumni. Was zeichnet den FAN aus?
Der FAN unterstützt exzellente Nachwuchswissenschafterinnen und -wissenschafter in der besonders kritischen Phase, der «Durststrecke» zwischen Doktorat und Professur. Diese Zeit ist oft finanziell herausfordernd, zugleich aber entscheidend für eine akademische Laufbahn. Hier setzt der FAN an und unterstützt gezielt jene Talente, die von ihren Fakultäten als ausserordentlich vielversprechend eingeschätzt werden – gewissermassen die «Rosinen» des akademischen Nachwuchses. Der FAN ermöglicht ihnen, sich ganz auf ihre Forschung zu konzentrieren.
Warum ist dieses Engagement gerade heute wichtig?
Wissenschaftliche Exzellenz braucht Freiräume, Zeit und Vertrauen. Für unsere Wirtschaft ist sie hoch relevant, denn diese ist auf exzellente Köpfe und neue Erkenntnisse angewiesen. Wer den FAN unterstützt, investiert direkt in Talente und damit in die Zukunft der Universität Zürich und unserer Gesellschaft. Der FAN gibt Ehemaligen der UZH die Möglichkeit, Verantwortung für kommende Generationen zu übernehmen. Gleichzeitig entsteht eine engagierte Förder-Community, die sich für die Wissenschaft und die Uni begeistert, den Austausch sucht und interdisziplinäres Denken schätzt. Diese Verbindung von Engagement und Zugehörigkeit macht den FAN besonders.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des FAN?
Dass wir diese Idee noch breiter abstützen können. Je mehr Alumni, Stiftungen und Unternehmen sich engagieren, desto mehr Nachwuchstalente können wir fördern. Wissenschaft braucht auch im 21. Jahrhundert «Mäzene» – Menschen und Organisationen, die bereit sind, die Zukunft mitzugestalten und auch ihrer Universität etwas zurückzugeben.
Alumni-Engagement für die UZH
Der Fonds zur Förderung des akademischen Nachwuchses (FAN) von UZH Alumni unterstützt talentierte Forschende in ihrer akademischen Karriere und stärkt die UZH im Wettbewerb um die klügsten Köpfe – ein Investment in die Wissenschaft von morgen. Gleichzeitig schaffen die Alumni-Organisationen der UZH ein starkes Netzwerk, das Menschen miteinander verbindet, wissenschaftliche Neugier fördert und die tiefe Verbundenheit zur Alma Mater lebendig hält.
Machen Sie mit!
Interview: Anna-Julia Lingg, UZH Alumni
