Rückblick Ethik-Höck, Felix Timmermann, Präsentation und Kurzbericht

Bericht Ethik-Höck: «Kann ein unmoralischer Mensch glücklich sein?» 

Präsentation von Dr. Felix Timmermann (im geschützten Bereich, direkter Download)

«Wir hätten es gerne anders, aber es bleibt halt einfach Wunschdenken», fasst eine Alumna am Schluss unsere Diskussion zusammen. 

In der Tat ist die Frage komplex und nicht leicht zu beantworten. Dies zeigt sich schon nach der Einleitungsfabel vom ukrainischen Bäuerlein, welche Felix Timmermann in Anlehnung an Platons Gorgias erzählt. Ob das Bäuerlein, Iwan Wassijewitsch (Stalin), ein glücklicher Mensch ist, können wir nicht entscheiden. Immerhin hat er sehr grosse Kontrolle über sein eigenes Leben und sein Spielraum im Handeln scheint viel grösser zu sein, als derjenige anderer Menschen. Die meisten Menschen würden vermutlich akzeptieren, dass diese Freiheit einen grossen Einfluss auf das Glücklichsein hat.

Die zentralen Fragen liegen jedoch schon in den Begriffen «unmoralischer Mensch» und «Glücklichsein». Dass unsere intuitive Vorstellung «unmoralischer Mensch = Mensch mit schlechtem Charakter» und unsere Assoziationen von Lebenszufriedenheit und Wohlergehen für Glück, nicht die ganze Wahrheit sind, wird in der Diskussion der Antworten von drei «Grössen» der Philosophie klar: Sokrates (Platon), Kant und Hannah Arendt. (Präsentation p5-14)

Für Sokrates ist die Seele eines lasterhaften Menschen im ungeordneten Zustand. Demzufolge kann ein ungerechter Mensch nicht glücklich sein. In Gorgias sagt er: «Unrecht leiden ist besser als Unrecht tun.» Beim Fabelbeispiel des Iwan scheinen diese «Kriterien» nicht zu greifen: Warum wäre das für Iwan schlecht? 

Auch bei Kant lässt sich kein automatischer (logischer) Zusammenhang finden. Wenn wir moralisch handeln, dann handeln wir nach dem Gesetz, d.h. aus Pflicht. Und, zwischen Glück und Tugend besteht kein faktischer, sondern ein normativer Zusammenhang.

Hannah Arendt betont die Fähigkeit zum inneren Zwiegespräch, welche dem lasterhaften Menschen fehlt. Das Denken jedoch gehöre zu Glücklichsein und demzufolge könne der Lasterhafte nicht glücklich sein. 

Die hier nur sehr verkürzt und bruchstückhaft skizzierten, sehr unterschiedlichen Antworten aus drei «Philosophiewelten» lassen uns auch in der Diskussion mit einer gewissen Ratlosigkeit zurück. Offensichtlich finden wir die Antwort nicht so leicht, bzw. unser Wunschdenken dominiert unsere Versuche der Analyse. Und, wer weiss schon, was genau ihn glücklich macht?

FF 
 

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