Rund 200 Ehemalige der Universität Zürich sind im UZH Alumni Chapter New York registriert. Der neue Chapter Chair Bimal Mathews möchte den Zusammenhalt unter den Alumni in der pulsierenden Metropole fernab der Heimat fördern – und dabei auch einiges von der amerikanischen Alumni-Kultur lernen.

Sie sind seit Ende 2020 Präsident des UZH Alumni Chapters New York. Weshalb haben Sie sich für dieses Engagement entschieden?
Hier in den USA habe ich selbst erlebt, wie Universitäten den Kontakt zu ihren Alumni pflegen und diese ein Leben lang mit ihrer Alma Mater verbunden bleiben. Deshalb habe ich mehrere Ziele mit meinem Engagement: erstens neue Kontakte mit Leuten aus der Heimat knüpfen, zweitens ein Netzwerk und Wissensaustausch in beruflicher wie auch privater Hinsicht aufbauen und drittens ein Supportsystem unter den Alumni entwickeln, damit wir uns gegenseitig besser unterstützen können. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Chapters?
Unsere UZH-Community in New York ist sehr gross, das Einzugsgebiet erstreckt sich über Connecticut, New Jersey und New York State. Physische Treffen sind daher eine Herausforderung. Nach der Arbeit will man am liebsten das hektische Treiben in Manhattan verlassen, insbesondere wenn man noch eine längere Pendelstrecke vor sich hat. Da durch die Pandemie physische Treffen im Moment sowieso nicht in Frage kommen und die meisten von zu Hause arbeiten, können wir dies als Chance nutzen und virtuelle themenspezifische Treffen organisieren. Natürlich hoffe ich, dass physische Treffen bald wieder stattfinden können. 

Weiter wünsche ich mir, dass wir uns durch diese Events besser kennenlernen und weiter zusammenwachsen. Wir haben eine sehr spannende und vielseitige Community – Medizinerinnen, Wirtschaftswissenschaftler, Juristinnen, Theologen und viele mehr. Gerne würde ich auch sehen, dass wir uns gegenseitig unterstützen, zum Beispiel bei der Arbeitssuche, mit Mentoring oder bei alltäglichen Fragen. Jeder in der Community kann mit seinen Erfahrungen, seinem Netzwerk und seinen Entscheidungskompetenzen helfen.

In meiner Anfangszeit beim World Economic Forum (WEF) hier in New York habe ich einmal eine Arbeitskollegin gefragt, wie sie zum WEF gekommen ist. Als sie damals von Boston nach NYC gezogen war, besuchte sie hier als erstes einen Alumni-Event ihrer Uni. Die Alumni halfen ihr, eine permanente Wohnung zu finden, und durch weitere Bekanntschaften war sie auf die Stelle beim WEF aufmerksam geworden – alles Weitere hat sich dann ergeben. Diese Geschichte ist mir geblieben und sie zeigt meine Idealvorstellung einer gut funktionierenden Alumni-Community. 

Die Alumni-Kultur ist in den USA stark etabliert. Was könnten wir davon lernen?
Es ist beeindruckend zu sehen, wie professionell die Alumni-Organisationen hier ihre Aktivitäten organisieren und die Universitäten mit den Ehemaligen sehr regelmässig Kontakt pflegen. In der Stadt findet man einige «Clubhouses» von Universitäten an teilweise bester Lage. Ehemalige können sich dort verpflegen und sich mit anderen Alumni austauschen. Oft werden dort auch fachspezifische Vorträge oder Events gehalten. Die Alumni in den USA sind ein signifikanter Umsatzgenerator für ihre Alma Mater. Die Verbundenheit mit der Universität scheint mir teilweise sogar stärker als mit ihrem Heimatort. 

Die Alumni-Kultur in den USA existiert seit Jahrzehnten, darum sollten wir uns nicht direkt mit ihr messen. Aber wir können zum Beispiel mit dem bereits zuvor angesprochenen Zusammengehörigkeitsgefühl und dem Zusammenhalt definitiv von den Praktiken der hiesigen Alumni-Organisation etwas lernen.

Wie können Alumni im Ausland ihre Alma Mater unterstützen?
UZH-Alumni, ob im Ausland oder in der Schweiz, sind Botschafter ihrer Universität. Durch ihre Tätigkeiten machen sie Werbung für die UZH, ein besseres Marketing gibt es fast nicht. Auch Alumni im Ausland können sich über ihre beruflichen oder privaten Erfahrungen in irgendeiner Form an der UZH einbringen. So können sie zum Beispiel wichtige Hilfestellungen für jetzige Studierende der UZH bei Austauschsemestern oder Praktika bieten. 

Weshalb haben Sie sich damals für ein Studium an der UZH entschieden?
In Basel geboren und aufgewachsen, wollte ich für das Studium gerne in eine andere Stadt gehen. Basel ist eine wunderschöne Stadt, jedoch reizte mich die Aussicht, in die grösste Stadt der Schweiz zu ziehen. Ich wollte Wirtschaft oder Informatik studieren. Da kam es sehr gelegen, dass die UZH damals als einzige Universität in der Schweiz den Studiengang Wirtschaftsinformatik anbot. Weiter war die UZH schon damals die grösste Uni in der Schweiz und hatte internationales Renommee, was natürlich sehr attraktiv ist. Rückblickend war der Schritt an die UZH für mich absolut richtig und ermöglichte mir ein spannendes und abwechslungsreiches Leben im Campus und ausserhalb. 

Was bedeutet die UZH für Sie heute?
Heimat – meine Alma Mater – Erinnerungen – Qualität. Dies kommt mir spontan in den Sinn. Es ist schön zu sehen, welch exzellenten Ruf die UZH international geniesst. Über die Jahre habe ich auch sehr genau die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät und das Institut für Informatik beobachtet. Die Professuren werden inzwischen noch internationaler besetzt und internationale Studierende der ganzen Welt kommen in den Genuss der Lehre und Forschung an der UZH. Die UZH ist definitiv zum globalen Player geworden, das macht mich stolz. 

Natürlich bin ich bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden unvoreingenommen – sehe ich aber, dass die Person die Ausbildung an der UZH abgeschlossen hat, ist das schon ein Qualitätssiegel. 

Sie haben an verschiedenen internationalen Standorten gelebt. Haben Sie da stets den Kontakt zu Alumni der UZH gesucht?
Durch die Arbeit war ich in Wien und auch einige Jahre in Shanghai. Insbesondere während meiner Zeit in China habe ich den Kontakt zu Alumni der UZH gesucht. Ich bin nach China gegangen, ohne jemanden zu kennen. Da dachte ich mir, dass es am einfachsten sei, wenn ich mit meiner Heim-Uni Kontakt aufnehme und so versuche, an interessante Kontakte vor Ort zu gelangen. Mein Interesse galt nicht beruflichen Begegnungen, sondern ich wollte vielmehr ein Stück Heimat finden. 


 

Bimal Mathews

Studienabschluss: Dipl. Inform. UZH, 2005
Tätigkeit: Head of Business Cluster bei World Economic Forum (WEF), Verantwortung der Beziehungen zum Privatsektor
Werdegang: Seit 2016 beim WEF in New York, davor neun Jahre bei IBM unter anderem in China und Österreich.


Weitere Informationen zum UZH Alumni Chapter New York



Anna-Julia Lingg

Andere Neuigkeiten