Pandemieforschung an der UZH

02 Nov 2020

Im Zuge der Pandemie erleben wir Forschung sehr nah: Die Wissenschaft steht im medialen Fokus. Um die Pandemieforschung an der UZH voranzutreiben, hat die Universität Zürich Mitte April ihre Ehemaligen um Unterstützung bei der Finanzierung dringlicher Forschungsprojekte gebeten. Inzwischen wurden erste Ergebnisse erzielt – ein Update.

Ausbreitung

Milo Puhan, Professor für Epidemiologie an der Universität Zürich, leitet das Forschungsprogramm «Corona Immunitas». Am landesweiten Forschungsprogramm beteiligen sich 11 Hochschulen und Institute. Geforscht wird an der Immunreaktion des Körpers um einerseits die Ausbreitung des Coronavirus innerhalb der Schweizer Bevölkerung zu bestimmen und andererseits zu ermitteln, wie lange Antikörper im Blut bleiben. Die verschiedenen Studien fokussieren auf unterschiedliche Alters-, Risiko- und Berufsgruppen, wenden aber alle dasselbe Testverfahren an. Bislang haben rund 30'000 Probanden teilgenommen. Eine erste Auswertung zeigt, dass die Ausbreitung des Coronavirus regional unterschiedlich ist. Während in Zürich rund 3% der Probanden Antikörper aufweisen, sind es in Genf 11%. Diese Auswertung stammt aus der Erhebung zwischen Juni und August. Es ist davon auszugehen, dass die nächste Auswertung im Dezember viel höher ausfallen wird.

Zum Video über Corona Immunitas

 

Immunschutz

Alexandra Trkola, Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie an der UZH, untersucht Fragen zum Immunschutz: Hält der Immunschutz ein Leben lang oder nimmt er nach ein paar Monaten wieder ab? Bauen Personen ohne Symptome einen gleich starken Immunschutz auf? Und weshalb erkranken Männer häufiger als Frauen? Durch die Erschliessung einer neuen Kohorte (mehrere tausend Personen, die an der Schweizerischen HIV Kohorte (SHCS) teilnehmen) konnte das Projekt im Sommer signifikant weiterentwickelt werden. Untersucht wird die Antikörperreaktivität gegen SARS-CoV-2 und gegen andere Coronaviren. Da in der SHCS jährlich Blut der teilnehmenden Personen für Forschungszwecke gesammelt wird, kann das Team von Alexandra Trkola auch Proben vergangener Jahre analysieren. Diese Proben sollen Aufschluss geben, ob frühere Infektionen mit anderen Coronaviren einen zumindest teilweisen Schutz vor SARS-CoV-2 bieten können.

 

Krankheitsverlauf

Immunologieprofessor Onur Boyman untersucht mittels Bluttests das Immunsystem und die Immunantwort von Covid-19-Betroffenen. Dabei geht es einerseits darum, Personen mit einem hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf möglichst früh zu identifizieren, und andererseits die Patienten gezielter medikamentös zu therapieren.
In enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich, Stadtspital Triemli, Spital Limmattal, Spital Uster und Kantonsspital Winterthur konnten bis jetzt über 100 Patienten für die Studienteilnahme rekrutiert werden. Die Untersuchung der Immunantwort auf die akute SARS-CoV-2-Infektion hat ergeben, dass SARS-CoV-2-spezifische Antikörperantworten sowie SARS-CoV-2-spezifische Immunzellantworten der erworbenen und angeborenen Immunität sich zwischen leichten und schweren Covid-19-Fällen stark unterscheiden. Mithilfe dieser Befunde versucht die Studie weiter zu identifizieren, welche Mechanismen zu schweren Covid-19-Verläufen führen. Als zweiten Schritt werden dieselben Patienten 6 bis 12 Monate nach der ersten Infektion untersucht, um zu verstehen, wie SARS-CoV-2-spezifische Antikörper und Immunzellen sich mit der Zeit entwickeln. Damit will die Studie herausfinden, ob die Patienten vor einer erneuten Infektion mit dem Virus geschützt sein könnten.

 

Weitere Informationen zum Pandemiefonds der UZH und den aktuellen Stand der unterstützten Forschungsprojekte finden Sie hier.

Sachlich informiert: Im Format «Zeitfrage – Wie verändert Covid-19 unser Leben?» beleuchtet UZH News die Pandemie aus verschiedenen Perspektiven. 

 

Anna-Julia Lingg


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