Rückblick Ethik-Höck 11.9.2018: "Suizid*: Aus Fürsorge verhindern oder Selbstbestimmung respektieren? Eine ethische Frage und (k)ein psychiatrisches Problem."

19 Sep 2018

Ethik-Höck mit Dr. Riccardo Bonfranchi: "Suizid*: Aus Fürsorge verhindern oder Selbstbestimmung respektieren? Eine ethische Frage und (k)ein psychiatrisches Problem."

Ist Suizid* ein verwerflicher Tötungsakt, ein Selbstmord, den man verbieten sollte oder eine selbstbestimmte, bewusst vollzogene Handlung, ein Freitod, der moralisch erlaubt ist? Viele bekannte Philosophen wie z.B. Platon, Aristoteles, Augustinus, Hume, Kant, Nietzsche unterstützten eine der gegensätzlichen Positionen.

Nicht in gelöster, philosophischer Distanziertheit verläuft die Diskussion für Betroffene. Wer über längere Zeit und immer wieder sein Leben als unerträglich empfindet und darüber nachdenkt, dieses mittels Suizid zu beenden, spricht meist nicht offen darüber. Das Thema Suizid ist teilweise immer noch tabuisiert. Dies betrifft auch Angehörige. Es besteht jedoch ein gesellschaftlicher Konsens, Suiziden vorzubeugen, was all die Anstrengungen zur Prävention rechtfertigt. Denn, es sterben pro Jahr in der Schweiz mehr Menschen durch Suizid (ca.1050) als durch Drogen, AIDS, Strassenunfälle und Morde zusammen (ohne assistierte Suizide).

Ein generelles Verbot des Suizids bzw. des Suizidversuchs lässt sich ethisch nicht begründen. Die Antwort ist aber wesentlich komplexer, wenn es darum geht, das Spannungsverhältnis zwischen den Prinzipien Fürsorge (-Krankheit) - Selbstbestimmung aufzulösen: Dürfen mich die anderen vom Suizid abhalten durch Überzeugen, Überreden, Nötigung oder Zwang? Müssen sie meinen Entscheid respektieren und sollten sie mich unterstützen, meinen Plan "sauber" auszuführen? Und, was genau ist falsch am Suizid? Bei alten Menschen spricht man gelegentlich von einem Bilanz-Entscheid. Auch Junge machen eine Bilanz. Wo liegt der Unterschied?

Im ersten Teil der Präsentation unseres Gastes standen philosophische Beurteilungen des Suizids im Vordergrund und im zweiten Teil lag der Fokus auf den praktischen Fragen bei der Arbeit für die "Dargebotene Hand" bzw. für das "143", wie der Dienst oft genannt wird. Den ausführlich Bericht finden Sie im Anhang.


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