Fokus Nachhaltigkeit: UZH-Alumnus Daniel Muntwyler

21 Sep 2020

«Ökologischer Mehrwert und finanzieller Mehrwert schliessen sich nicht aus, wir bringen die beiden Welten zusammen.» UZH-Alumnus und Gründungspartner der Globalance Bank Daniel Muntwyler im Gespräch.

Sie haben mit der Globalance Bank eine nachhaltige Bank gegründet. Wollten Sie mit Ihrer Arbeit schon immer einen Impact auf die Gesellschaft und die Umwelt haben?
Nach meinem BWL-Abschluss an der Universität Zürich habe ich nicht den Weg über eine Versicherung oder Bank gesucht, ich brauchte zusätzliche Inhalte, die mir eine konventionelle Adresse in der Finanzwelt nicht bieten konnte. Zur Zeit meines Studienabschlusses in den frühen 1990er Jahren wurden erstmals global Umweltthemen diskutiert und die Wirtschaft in die Lösungsdimension miteinbezogen. Schon während des Studiums arbeitete ich beim Migros Bund und kam beispielsweise erstmals mit dem Thema ökologische Verpackungen in Kontakt. Ebenfalls während des Studiums reiste ich als Praktikant im Rahmen eines Austauschs der AIESEC auf die Philippinen. Fremde Kulturen und globale Herausforderungen faszinierten mich schon immer, darum schloss ich an mein Studium das NADEL an der ETH an. Ich erlebte die frühe Mikrofinanzzeiten in Südamerika und begann danach mit dem nach wie vor aktuellen Gründerteam bei SAM Sustainable Asset Management tätig zu werden. Wir setzten Massstäbe bei der nachhaltigen institutionellen Vermögensverwaltung. So legten wir etwa den ersten nachhaltigen Themen Anlagefonds im Bereich Wasser auf und lancierten zusammen mit dem Dow Jones den ersten globalen Nachhaltigkeitsindex. Ich hatte schon immer eine hohe Affinität zu Umweltthemen und wollte mit meinem Tun und meiner Arbeit einen Beitrag leisten, ohne Kompromisse zu machen. 

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?
Ich halte mich gerne an die Definition der früheren norwegische Ministerpräsidentin Brundtland, wonach Nachhaltigkeit eine Entwicklung bedeutet, die auch zukünftigen Generationen weiter Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Forstwirtschaftlich somit ein Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann. Der Begriff «Nachhaltigkeit» ist oft mit «nicht wirtschaftlich» konnotiert. Wir müssen darum ein Lebensgefühl und eine Coolness in den Begriff bringen, um ihn zukunftsfähig zu machen. Ökologischer Mehrwert und finanzieller Mehrwert schliessen sich nicht aus. 

Bei einer Bank denkt man nicht primär an Nachhaltigkeit. Wie bringen Sie die beiden Themen zusammen?
Ich bin ein Betriebswirt, der gelernt hat, dass Geld nicht alles ist, aber ein wichtiges Schmiermittel der Entwicklung. Bei der Globalance Bank zeigen wir, was man mit Geldanlagen bewirken kann. Unsere Kundinnen und Kunden haben entweder selbst ein hohes ethisches Raster und möchten von sich aus etwas Gutes tun oder wir zeigen ihnen, wie sie zwei Welten verbinden können. Ein Modell, das insbesondere Junge, Frauen und grundsätzlich langfristig agierende Personen und Stiftungen anspricht. Wir setzen auf zukunftsorientierte Portfolios mit einer positiven Wirkung auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. 

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die Digitalisierung im Bereich Nachhaltigkeit?
Digitalisierung kommt schneller als gedacht und die Coronaherausforderung wird diesen Trend noch beschleunigen. Gerade im Mobilitätsbereich bewegen wir uns derzeit weg von fossilen Energien als Treibstoff. Durch selbstfahrende Fahrzeuge kommen ganz neue Player in den Fahrzeugmarkt. Heutige Automobilfirmen wie Mercedes, BMW oder Toyota müssen sich warm anziehen oder sich etwas Gutes einfallen lassen. Aber auch in der Landwirtschaft können Roboter zum Beispiel Felder hoch-effizient bewirtschaften. 

Welches nachhaltige Projekt würden Sie gerne umsetzen?
Bei einem gescheiten Projekt in Lateinamerika mitzuwirken, um der Abholzung in Brasiliens Regenwald entgegen zu wirken, würde mich irgendwann in Zukunft womöglich reizen.

Was erwarten Sie von Ihrer Alma Mater in Sachen Nachhaltigkeit?
Die UZH muss zum einen Nachhaltigkeit in der Bildung der Jungen zum Thema machen und so das Bewusstsein fördern. Nachhaltigkeit ist ein Bildungsfaktor. Zum andern sollte die UZH mit ihrer ganzen Vielfalt das interdisziplinäre Denken fördern, um Forschung gezielt in diesen Bereichen zu machen und Schwerpunkte zu setzen, in denen sie eine Vorreiterrolle einnimmt. 

Welche Bedeutung hat die UZH für Sie heute?
Ich bin global aufgestellt, doch bin ich in Zürich aufgewachsen und so bedeutet die UZH für mich auch Heimat. Abgesehen vom Heimatfilter habe ich tolle Jahre an der UZH verbracht. Man sollte Alumni durch coole Aktivitäten und Anlässe vermehrt aktivieren.

Sie sind Mitglied bei OEC ALUMNI UZH, weshalb?
Einerseits nutze ich das Netzwerk für die Interaktion, andererseits auch für ein gewisses «giving back». So habe ich beispielsweise schon als Mentor bei einem entsprechenden Programm mitgemacht. Das «giving back» besteht in der Schweiz aber erst in einem ganz kleinen Rahmen, wenn man es mit den mächtigen Alumni-Organisationen in den USA vergleicht.
 


Daniel Muntwyler
Studienrichtung/-abschluss: lic. oec. publ. UZH, 1990; Nachdiplomstudium für Entwicklungsländer (NADEL) an der ETH, 1991.
Werdegang: Mehrere Jahre mit FUNDES in Lateinamerika, Partner bei SAM Sustainable Asset Management, Gründungspartner bei Globalance Bank AG
Firma: Globalance Bank
Gründungsjahr: 2011
Mitgründer: Reto Rinnger, Urs Landolt und David Hertig
Anzahl Mitarbeitende: 30
Produkt: Zukunftsorientierte nachhaltige Anlageprodukte
www.globalance-bank.com


 

Anna-Julia Lingg


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