
UZH Alumni Startup Stories: ellexx universe AG
Erfolgreiche Forschungsarbeiten und kreative Ideen motivieren zahlreiche Ehemalige der UZH, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. In der Serie «UZH Alumni Startup Stories» stellen wir Jungunternehmer:innen und gestandenen Entrepreneur:innen Fragen zum Schritt in die Selbstständigkeit. Heute mit UZH-Alumna Patrizia Laeri, Mit-Gründerin und CEO der ellexx universe AG.
Unternehmen: ellexx universe AG
Geschäftsidee: Wie, was, warum? 56 Prozent der Frauen in der Deutschschweiz können sich selbst nicht finanziell über Wasser halten und dies im zweitreichsten Land der Welt. Nur 32 Prozent des weltweiten Vermögens ist in den Händen von Frauen und Altersarmut ist weiblich. Diese Missstände bekämpft ellexx und schliesst die Geldlücken zwischen den Geschlechtern.
ellexx ist mittlerweile die grösste Female Finance App im DACH-Raum und besteht aus drei wichtigen Pfeilern: Information, Finanzbildung und Finanzlösungen. Bei allen Angeboten ist ellexx nahe dran an den Bedürfnissen der Frauen. Investieren ist ein wirksames Instrument, um die Welt zu formen – im Guten wie im Schlechten. Geld soll eine Kraft fürs Gute sein. Investitionen sollen der Mehrheit der Menschen zugutekommen. Wer Geld hat, hat die Macht, es auch dahin zu leiten, wo es Wirkung erzielt. Mit allem, was wir bei ellexx tun, stärken wir das S von ESG: das Social Investing. Damit sind die investigativen Inhalte über Gender Gaps, die Finanzprodukte, Kurse oder die unabhängige Vermögensberatung gemeint. Wir wollen, dass mehr Geld, Investitionen und Aufmerksamkeit in Produkte, Firmen und Führungskräfte fliessen, die chancengleichere, fairere Arbeitsplätze sowie Vielfalt und Inklusion berücksichtigen. Es geht uns darum, dass wir in Zukunft alle sozialer und nachhaltiger wirtschaften.
Das Fintech bietet unabhängige Vermögensberatung mit Herzblut – von Frauen für Frauen – und hat zudem ein Aktienprodukt lanciert, das auf Gleichstellung fokussiert. Es war 2021 das erste seiner Art unter den 55’000 in der Schweiz zugelassenen strukturierten Anlageprodukten. Seit diesem Herbst bietet ellexx neu auch eine intuitive, transparente und digitale In-App-Investing-Lösung, die speziell auf die Bedürfnisse von Frauen in verschiedenen Lebenssituationen zugeschnitten ist. Die ETF-Sparpläne mit Fokus auf Social Investing sind ein Angebot, das es laut aktueller Customer Experience Maturity Study 2025 bisher in der Schweiz kaum gibt. Die Studie zeigt eine klare Gender-Dimension: Frauen sind deutlich unterversorgt, wenn es um digitale Investmentangebote geht.
Unsere Vision: #CloseTheGaps ist zugleich Vision als auch Mission. Wir sind wohl das rebellischste Fintech der Finanzwelt. Wer sich unser Unternehmen genauer anschaut, dem fällt sofort auf: Alles, was das junge Start-up unternimmt, macht es anders als andere. Es räumt mit unverständlichem Finanzjargon auf, macht komplexe Inhalte für alle zugänglich, zerrt unliebsame Zahlen, Daten und Missstände ans Licht. ellexx erklärt und rüttelt auf und bildet Tausende von Menschen auf Augenhöhe finanziell weiter.
Die Gründerinnen: ellexx ist eines der wenigen Fintechs Europas, das von Frauen gegründet wurde (Anteil Fintech Gründerinnen beträgt nur 7 Prozent). Dahinter stehen die Ökonomin Patrizia Laeri, Anwältin Nadine Jürgensen und Designerin Simone Züger.
Das Gründungsjahr: 2021 ging die Plattform live und schaffte es innert weniger Monate die grösste Finance Community zu etablieren. ellexx ist auf Social Media grösser als die UBS Schweiz oder das grösste Fintech der Schweiz, Neon.
Davor haben die Gründerinnen jahrelang Aufbauarbeit geleistet, Investor:innen gesucht, Kooperationen abgeschlossen und dies ohne Lohn. Als sie sich mit ersten möglichen Investoren unterhielten, blitzten sie brutal ab. «Frauen und Finanzen? Das interessiert keinen Menschen», hiess es von allen Seiten und: «Das braucht niemand. Was für ein Nischenthema.» Diese Nische ist ja nur grösser als die Hälfte der Menschheit…
Heute zählt ellexx 13 Mitarbeiter:innen.
Beste Momente in unserer Startup-Geschichte: Unserem 2023 erst eineinhalb Jahre alten Start-up ellexx ist es gelungen, in einem Crowdinvesting 1.43 Millionen Franken aufzunehmen. Noch nie zuvor hatten weibliche Gründerinnen in Europa diese beeindruckende Summe erreicht. Innerhalb von nur zweieinhalb Tagen durchbrach ellexx die Millionenmarke und vollbrachte damit das grösste Crowdinvesting, das je von weiblichen Gründerinnen in Europa erreicht wurde. Nur gerade 1 Prozent des Risikokapitals in Europa kommt Gründerinnen zugute, der ganze Rest von 99 Prozent erhalten Gründer. Frauen gründen immerhin 21 Prozent der europäischen Start-ups und gelangen somit auffällig unterproportional an Kapital. Das Crowdinvesting von ellexx war deshalb schon allein wegen des Volumens aussergewöhnlich und wegweisend für die Schweiz, aber auch Europa.
Ende 2024 erreichte unser wissenschaftsbasiertes Buch «Close the Gaps» die Top 1 des Bilanz Rankings und wurde erfolgreichstes Wirtschaftsbuch der Schweiz.
ellexx wurde 2025 zum zweiten Mal vom Social Enterprise World Forum und SENS mit dem Label «People & Planet First» ausgezeichnet. Dieses Label erhalten nur Unternehmen, die zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Impact kein Widerspruch sind, sondern zusammengehören. Das heisst, die Gründerinnen sind auch Social Entrepreneurs, und waren die ersten in der Schweiz, die damit ausgezeichnet wurden. ellexx ist stolz, dass die Mission, Frauen finanziell zu stärken, auch international anerkannt wird.
Das Beste an der Selbstständigkeit: Das Start-up-Leben wird nie langweilig. Die Lernkurven sind supersteil und wir eilen im Schnellzugstempo von einem Level zum anderen. Wir lieben es, nicht mehr nur Probleme zu benennen, sondern auch Lösungen zu präsentieren. «Nicht jammern, sondern machen» lautet unsere Devise. ellexx ist unser Lebenswerk und die Daten und Studien zu den immensen Geldlücken im Leben von Frauen haben wir in unserem Buch zusammengetragen.
Für uns drei Gründerinnen ist klar: Auch wenn wir schon viel erreicht haben, gibt es noch viel mehr zu tun. Wir wollen dazu beitragen, möglichst viele finanzielle Lücken im Leben von Frauen zu schliessen oder zumindest die Gaps zu verkleinern. Und da Geld eine der letzten Frontlinien im Bereich der Gleichstellung ist, wird ellexx auch weiter daran arbeiten, die Finanzwelt aufzumischen und Frauen zugänglich zu machen – als Teil der Lösung.
Niemand ist perfekt – Dinge, die wir beim nächsten Mal anders machen würden: Es gibt bestimmt viele kleinere technische, organisatorische und personelle Entscheide, die wir im Nachhinein hätten besser machen können. Wir glauben aber, dass wir vor allem eines richtig gemacht haben: Wir haben nie aufgegeben, obwohl wir jeden Grund dazu gehabt hätten. Unser Team war in der Gründungsphase mit der schlechten Vereinbarkeit in der Schweiz – alle drei Gründerinnen sind Mütter –, persönlichen Schicksalsschlägen, eisigem Gegenwind in den Medien, Hatern und gesundheitlichen Herausforderungen konfrontiert. Es scheint rückblickend kaum zu glauben, dass wir das alles zusammen überwunden haben.
Die dunkle Seite der Selbstständigkeit: Gründen ist ein ständiges Oszillieren zwischen Euphorie und Nahtod. In den ersten Aufbaujahren benötigen Growth Start-ups sehr viel Kapital für die hohen Investitionen in Technologie. Funding ist ein ständiges und belastendes Thema. ellexx stand schon zweimal kurz vor dem Aus und konnte sich im letzten Augenblick wieder Mittel beschaffen. Dazu kommt der Gender Funding Gap. ellexx muss mit 10- bis 30-mal weniger Funding auskommen als die von Männern gegründete Fintech-Konkurrenz. Eines der wenigen von Frauen gegründete Unicorn, Canva, hat mehr als 300 Neins kassiert, bevor es seine erste Finanzierungsrunde geschafft hat. Das ist leider typisch. Das zwingt aber auch zur absoluten Kostendisziplin und Kreativität im Einpluggen neuer Umsatzströme.
Dos & Don’ts: Tipps für angehende Unternehmer:innen: Wir würden nie alleine gründen. Es ist wichtig und essenziell, Gleichgesinnte zu finden, denn Gründen ist ein Langstreckenlauf, kein Sprint. Drei respektive eine ungerade Zahl ist zudem perfekt. Im Zweifelsfall hat man immer eine Entscheidung und Mehrheit.
Unterschätzt das Thema Funding nicht, auch nach einer grösseren Runde dürft ihr Investors Relations nicht vernachlässigen und müsst dranbleiben. Seid Euch bewusst, dass das Funding die meiste Kapazität des CEOs beansprucht.
Beste Teambuilding-Übung: Wir lieben diese kreative Übung, da man sie für jeden Prozess im Unternehmen anwenden kann.
Inspiration – unsere Vorbilder: Unsere Vorbilder sind Sallie Krawcheck, Wall Street Pionierin und Fintech-Gründerin, die die männerdominierte Finanzindustrie herausforderte, und die Politikerin und ehemalige jüngste Staatspräsidentin der Welt, Jacinda Ardern, bekannt für ihre «Lead with Kindness»-Philosophie. Krawcheck zeigte auf, wie die Finanzwelt Männer bevorzugt. Ardern inspiriert uns, in der Startup- und Unternehmenskultur neue, von Mitgefühl geleitete Wege zu beschreiten und die Weiblichkeit mehr zu zelebrieren.
Die UZH bedeutet für mich: Für mich war sie eine hervorragende Lehranstalt, da sie die besten Pioniere der Verhaltensökonomie lehren liess und mir damit eine ganz neue Sicht auf die Märkte, Börse und Wirtschaft eröffnet hat. Letztlich hat das bestimmt auch dazu beigetragen, etwas verändern zu wollen und zu gründen.
Übrigens: Als Mitglied einer UZH-Alumni-Organisation erhalten Sie 40 CHF Rabatt auf Ihre Jahresmitgliedschaft bei ellexx! Zum Promocode für Mitglieder (mit Login)
Anna-Julia Lingg, UZH Alumni
