«Das naheliegendste Netzwerk für Studienabgänger:innen ist das Netzwerk der eigenen Universität.»

Am March 31, 2025 veröffentlicht

Interview mit UZH-Alumna Claudia Rütsche, Direktorin des Kulturama Museum des Menschen und Vorstandsmitglied bei UZH Alumni 

Claudia Rütsche, Sie leiten das Kulturama seit Ihrem 25. Lebensjahr. Wie wird man Museumsdirektorin?

Meine Verbindung zum Kulturama begann früh, mit 13 Jahren, um genau zu sein. Damals nahm ich an einer Fossilienexkursion teil, die mich so begeistert hat, dass ich gefragt wurde, ob ich als Freiwillige im Museum mithelfen möchte. Dieses Engagement wurde über die Jahre immer intensiver, während des Gymnasiums und auch während meines Studiums. 

Letztlich beeinflusste das Kulturama meine Studienwahl massgeblich: Da ich mich nicht zwischen Natur- und Geisteswissenschaften entscheiden konnte oder wollte, kombinierte ich Geschichte als Hauptfach mit Paläontologie, Ur- und Frühgeschichte sowie Anthropologie. Diese interdisziplinäre Ausrichtung erwies sich als perfekte Grundlage für meinen Weg in die Museumswelt. 

Mit erst 25 Jahren wurde ich Direktorin des Kulturama – damals als jüngste Museumsdirektorin der Schweiz. Rückblickend könnte man meinen, ich hätte bei der Studienwahl schon meine Karriere strategisch geplant. Doch tatsächlich folgte ich einfach meiner Begeisterung für die verschiedenen Themen und Disziplinen. 

Welche Erfahrungen haben Ihnen auf diesem Weg geholfen?

Praktische Erfahrungen und persönliche Kontakte sind sehr wichtig. Ich rate Studierenden oder jungen Alumni, die in die Kulturvermittlung oder Wissenschaftskommunikation einsteigen möchten, bereits während des Studiums Praxiserfahrung zu sammeln, sei es durch Praktika, ehrenamtliches Engagement oder Nebenjobs.

Natürlich sind Uni-Absolvent:innen gefragt, das zeigt sich auch in unserem Team: Wir beschäftigen heute sechs wissenschaftliche Mitarbeitende aus verschiedenen Disziplinen, fünf davon haben an der Universität Zürich studiert. Gleichzeitig ist es jedoch illusorisch, zu denken, dass einem nach dem Bachelor oder Master einfach alle Türen offenstehen. Gerade in einer vergleichsweise überschaubaren Branche wie der Kultur- und Wissenschaftsvermittlung spielen Praxiserfahrung und Kontakte neben Können und Begeisterung eine wesentliche Rolle.

Was zeichnet das Kulturama aus?

Unser Museum stellt den Menschen in den Mittelpunkt, und zwar aus einer ganzheitlichen Perspektive. Diese interdisziplinäre Herangehensweise hat mich schon als Jugendliche fasziniert. Zudem wurde das Kulturama als private Stiftung mit einem klaren Bildungsauftrag gegründet. Das Kuratieren und Vermitteln gehen bei uns Hand in Hand. Unsere Angebote richten sich an alle Altersgruppen, von Kindergartenkindern bis zu Erwachsenen. Besonders am Herzen liegt mir, dass wir auch Menschen mit spezifischen Bedürfnissen oder Sprachbarrieren erreichen. Diese Vielfalt macht das Kulturama einzigartig. 

Persönlich bin ich mit dem Museum gewachsen: Aus einer privaten Initiative mit einem kleinen Team ist eines der zehn meistbesuchten Museen Zürichs geworden. Diese Entwicklung macht mich stolz und das Kulturama zu meiner Lebensaufgabe. 

Gibt es eine Ausstellung oder ein Projekt, auf das Sie besonders stolz sind?

Eines meiner Herzensprojekte ist die Ausstellung «Wie wir lernen». Die Idee dazu hatte ich in meinem Nachdiplomstudium in Kommunikationspsychologie (Counseling) an der UZH. Ursprünglich als Sonderausstellung konzipiert, haben wir diese aufgrund des positiven Feedbacks aus dem Bildungsbereich zu einer Dauerausstellung erweitert und das Kulturama in die Nachbarliegenschaft expandiert.
Viele Besucher:innen, vor allem Kinder, kommen mit der Vorstellung, dass Lernen nur mit Schule zu tun hat. Doch in der Ausstellung entdecken sie, dass Lernen viel mehr umfasst und wir alle ständig und überall lernen. Dieses «Aha-Erlebnis» der Besucher:innen begeistert mich immer wieder.

Inwiefern sehen Sie Parallelen zwischen Ihrer Arbeit im Kulturama und Ihrem Engagement im Vorstand von UZH Alumni?

Sowohl im Kulturama als auch im Alumni-Netzwerk geht es darum, Menschen zusammenzubringen und den Austausch zwischen unterschiedlichen Perspektiven zu fördern. Das gefällt mir. Networking nicht im engen Sinn von Karriereförderung, sondern um Gespräche mit Menschen aus anderen Studienfächern zu führen, finde ich enorm bereichernd. Die Alumni-Community bietet genau diesen Austausch – und das ist ein unschätzbarer Mehrwert, den wir noch stärker betonen sollten.

Welche Bedeutung haben Alumni Ihrer Meinung nach für die Universität?
Eine riesige! Absolvent:innen sind weltweit in den verschiedensten Berufen tätig, oft in Entscheidungspositionen, und können die Universität auf vielfältige Weise unterstützen – sei es mit Ideen, Kontakten oder finanziellen Beiträgen. Jede Form der Unterstützung zählt.

Ich persönlich empfinde eine grosse Dankbarkeit, dass ich studieren durfte. Denn meine heutige Tätigkeit wäre ohne Studium gar nicht möglich. Mein Engagement bei UZH Alumni ist darum meine Art, etwas zurückzugeben. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Alumni-Netzwerks?

Ich wünsche mir, dass die Mitgliedschaft im Alumni-Netzwerk für Absolvent:innen keine Frage mehr ist, sondern eine Selbstverständlichkeit. Nach dem Studium bemühen sich viele ein berufliches Netzwerk aufzubauen, dabei ist das naheliegendste Netzwerk als Studienabgänger:in doch das Netzwerk der eigenen Universität.

Besonders schätze ich die thematische Vielfalt der Alumni-Veranstaltungen. Oft erhält man Einblicke in Themen, mit denen man sonst nicht in Berührung käme. Dieser Blick über den Tellerrand bereichert ungemein und hilft uns eine interessierte und offene Haltung gegenüber der Welt und den Menschen beizubehalten. 


Interview: Anna-Julia Lingg, UZH Alumni
Bild: Adrian Funk
Dieses Interview ist auch erschienen im UZH Magazin 01/25.