Geld wird überschätzt

Okt 30, 2019

Startups sind aus der heutigen digitalisierten Welt nicht mehr wegzudenken. Auch innerhalb der UZH-Alumni-Gemeinschaft finden sich zahlreiche Start-up-Gründerinnen und Gründer. Im Rahmen einer UZH Alumni Veranstaltung wurden verschiedene Aspekte des Unternehmertums diskutiert.

Glück? Timing? Leidenschaft? Ein Rezeptbuch für ein erfolgreiches Start-up-Unternehmen existiert nicht, doch braucht es von allen Zutaten etwas, um das Gelingen einer Jungunternehmung zu garantieren. Unter der Moderation von Thomas Gull veranstaltete das UZH Alumni Chapter «Entrepreneurs» eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema. Diskutiert wurde unter Anderem, was erfolgreiches Unternehmertum ausmacht und wie man vom «Zero» zum «Hero» wird.

Eckpfeiler für erfolgreiches Unternehmertum
Laut Ulrich Kaiser, Professor für Entrepreneurship an der UZH, gibt es einen wichtigen Faktor, der für jede Unternehmung entscheidend ist: Leidenschaft. «Es gibt eine Unmenge an erfolgreichen Startups, und sie decken die unterschiedlichsten Gebiete ab. Doch was sie alle gemeinsam haben ist ein leidenschaftliches Team.» Start-up-Unternehmen entstünden nicht von heute auf morgen, ihr Aufbau koste viel Kraft. Ohne Beharrlichkeit, Ausdauer und eben Leidenschaft sei dies kaum zu schaffen.

Alle Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass das Timing ebenfalls entscheidend ist. «Man kann nicht einfach so zehn Jahre vorausplanen, da sich alles so schnell verändert. Man muss Schritt für Schritt planen und fortwährend den richtigen Zeitpunkt abwarten», so Daniela Marino, CEO und Mitgründerin von CUTISS AG, ein Unternehmen für personalisierte Hauttransplantate. Auch für Marc P. Bernegger, Seriengründer und Finanztechnologie-Investor, ist richtiges Timing essentiell. «Viele gehen mit ihrem Startup zu früh auf den Markt – und scheitern dann.»

Das perfekte Team
Wie aber setzt man das Team für ein Start-up-Unternehmen am besten zusammen? Im Falle von Samuel Mueller, CEO und Mitbegründer von Scandit AG, eine Plattform für mobile Datenerfassung, war es von Vorteil, mit einem ehemaligen Studienkollegen zu kooperieren. «Während unserer Forschungszeit haben wir die Geschäftsidee entwickelt. Glücklicherweise haben sich unsere Fähigkeiten und persönliche Interessen gut ergänzt, das war extrem hilfreich.»

Ulrich Kaiser wies auf die wichtige Rolle unterschiedlicher Denkweisen hin. «Diversität ist essentiell für den Erfolg. Die besten Fälle, die ich bisher untersucht habe, waren Teams, bei denen es Unterschiede bei Herkunft, oder auch bei der Ausbildung gab.» Da es aber aus wissenschaftlicher Seite schwierig sei, einzelne Charakteristiken einer Persönlichkeit zu messen, sei es auch hier nicht möglich, eine universell gültige Definition für das perfekte Team zu erstellen.

«Smart money» und smarte Investoren
Zum Schluss kam auch das Thema Kapital zur Sprache. «Kein Geld, kein Startup?», fragte Moderator Gull. Betrachtet man das Startkapital der Podiumsteilnehmer, wird schnell ersichtlich, dass eine Verallgemeinerung nicht möglich ist. So startete Bernegger seine Onlineplattform usgang.ch mit 3000 CHF – «Taschengeld», wie er erklärte. Für Marinos Life-Science-Unternehmung hingegen waren 17 Mio. CHF notwendig – finanziert nicht durch Taschengeld, sondern durch Preisgelder und Investitionen.

Gemäss Bernegger wird der Faktor Geld somit oftmals überschätzt. «Heutzutage ist viel Geld vorhanden, beispielsweise in der Schweizer IT-Branche. Deshalb muss man sich bezüglich Finanzierung eine andere Frage stellen.» Es sei entscheidender, die richtigen Investoren zu finden, als blindlings dem Geld nachzujagen. «Für die Start-up-Unternehmen ist es wichtig, Investoren zu finden, die verstehen, was sie tun und sie als Partner unterstützen.»

Scheitern ist immer eine Option
«Märkte können sich drastisch verändern. Man kann nie voraussehen, was eines Tages geschehen wird», sagt Mueller. Deshalb könne man – trotz Erfolg – jederzeit scheitern. Dies war aber bisher für die Podiumsteilnehmer keine Option. Ob sie sich denn jetzt als «heroes» fühlten, fragte Gull. «Jeden Tag», antwortete Marino. «Ein Unternehmen zu gründen ist sehr herausfordernd, aber auch sehr lohnend. Eine Heldin zu sein bedeutet, dass du etwas Gutes tust. Für dich selbst und für andere.»

Christina Deady, UZH News. Dieser Text ist online erschienen am 29.10.2019. 

Podiumsdiskussion auf Youtube anschauen

Komplette Bildergalerie (mit Login für Mitglieder des UZH Alumni Chapters Entrepreneurs zugänglich)


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