Rückspiegel 1884: Spendable Ehemalige

Am October 11, 2024 veröffentlicht

Als 1883 die 50-Jahr-Feier der UZH vor der Tür stand, kam die Idee auf, einen Ehemaligenverein zu gründen, um die Universität finanziell und ideell zu unterstützen. Kurz darauf wandten sich eine Handvoll Abgänger mit einem Schreiben an weitere Ehemalige. Die Universität war damals noch eine ganz andere Organisation, als sie es heute ist. Im Frühjahr 1883 besuchten 405 an vier Fakultäten immatrikulierte Studierende 164 Vorlesungen und 43 Personen wurden promoviert. In den ersten 50 Jahren ihres Bestehens waren gesamthaft weniger als 7000 Personen an der Universität eingeschrieben.

Eine Sorge der umtriebigen Ehemaligen war, gute Dozenten zu halten oder nach Zürich zu holen. Die UZH zahlte im internationalen Vergleich schlecht und die Saläre stagnierten. Der maximale Jahreslohn betrug 4000 Franken. Bezüglich einer möglichen Unterstützung durch den Kanton Zürich machte man sich keine Illusionen: «Bei der bekannten Finanzlage unseres Kantons ist leider eine erhebliche Vermehrung der Ausgaben des Staates für die Hochschule in nächster Zeit kaum zu erhoffen», hiess es im Schreiben.

Bereits am 5. Februar 1884 gründeten rund 40 Herren den Zürcher Hochschulverein. Zum Vereinszweck steht in den Statuten kurz und bündig: «Er bezweckt die Förderung der Hochschule und die Pflege ihrer Interessen im Volk.» Für fünf Franken pro Jahr oder einmalig hundert Franken wurde man Mitglied.

Einmal im Jahr traf man sich für einen Vortrag oder eine Besichtigung. So besuchten 1886 die Mitglieder das psychologische Laboratorium. In der zweiten jährlichen Sitzung wurden Unterstützungsbeiträge gesprochen. Seit Beginn handelt es sich bei den gesprochenen Geldern um Drittmittelbeiträge. Im ersten Jahr bekamen drei Seminare rund 300 Franken für Anschaffungen, um attraktivere Arbeitsumgebungen zu ermöglichen. In den Naturwissenschaften wurde der Kauf von Geräten finanziert. Unterstützt wurden auch Forschungsreisen, Publikationen oder allgemeine Geschenke an die UZH, etwa Büsten. Auch finanzielle Beiträge an die Witwen- und Waisenkasse sind dokumentiert.

Bis 1932 wurden fast 200 000 Franken vergeben. Seit Beginn wurde betont, dass der Staat sich wegen dieser Beiträge nicht aus der finanziellen Verantwortung stehlen könne. Die Idee des Vereins lebt heute noch in Form des Netzwerks UZH Alumni weiter, mit dem er 2017 fusionierte.


Dieser Text ist zuerst erschienen im UZH Magazin 3/24.
Text: Martin Akeret, UZH Archiv
Bild: Protokoll der ersten Generalversammlung des Zürcher Hochschulvereins 1884 (UZH Archiv)


UZH Alumni führt die Tradition der Vergabungen des Zürcher Hochschulvereins mit dem Alumni-Fonds fort. Viermal pro Jahr spricht das Vergabegremium Einzelbeträge in der Regel zwischen CHF 500 und CHF 3'000 für wissenschaftliche Tagungen, Exkursionen und Symposien aber auch kulturelle und soziale Projekte an der UZH. Dadurch unterstützt der Verein jährlich rund 50 Projekte mit einem Gesamtbetrag von etwa CHF 80'000 bis CHF 100'000. Der Alumni-Fonds finanziert sich durch die Jahresbeiträge der UZH-Alumni-Mitglieder sowie durch direkte Spenden. Zum Alumni-Fonds