
Weltraum als Ort für Innovation und Fortschritt (Teil 1)
In sieben Jahren endet die Ära der Internationalen Raumstation ISS – dann wird die grösste von Menschen geschaffene Struktur im Weltraum kontrolliert zum Absturz gebracht. Die ISS ist ein Schwerelosigkeits-Forschungslabor, das seit mehr als zwei Jahrzehnten in vierhundert Kilometern Höhe unsere Erde umkreist. Betrieben wird es von der NASA sowie den russischen europäischen, kanadischen und japanischen Raumfahrtagenturen.
Wer den Einfluss der Schwerkraft auf biologische und physikalische Vorgänge auf der Erde verstehen will, muss diese in der Schwerelosigkeit untersuchen. Über dreitausendsiebenhundert wissenschaftliche Experimente sind seit der Inbetriebnahme auf der ISS durchgeführt worden. Darunter auch solche von Forschern der Universität Zürich, d.h. von Oliver Ullrich, Director des Space Hubs, und von Ueli Grossniklaus.
Innovationstreiber
Erkenntnisse aus ISS-Experimenten beeinflussen schon heute direkt oder indirekt das Leben der Menschen auf der Erde: So haben etwa Telemedizin oder Aufbereitungstechnologien von Schmutzwasser haben ihre Wurzeln in der Raumfahrt. Dank der ISS haben Forscher heute ein besseres Verständnis von Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Krebs und Asthma. ISS-Forschungen tragen entscheidend zur Entwicklung von neuen Medikamenten bei. Aber auch Erdbeobachtungssensoren befinden sich auf der Raumstation und liefern Daten, die für verschiedenste Anwendungen – u.a. für Wasser- und Pestizidmanagement – genutzt werden können. Die ISS erweist sich damit als starker Treiber für technologischen Fortschritt und Innovation. Entsprechend stuft die UNO Weltraumaktivitäten als wesentliches Instrument für eine nachhaltige Entwicklung auf der Erde ein.
Von staatlichen zu privatwirtschaftlichen Raumstationen
Doch was geschieht nach 2030? Die ISS-Betreibernationen planen keine eigene Nachfolgestation: Die NASA sieht den Bau und Betrieb von Forschungs- und Entwicklungslaboren in erdnahen Umlaufbahnen heute als Aufgabe der Privatwirtschaft.
Und diese nimmt die Herausforderung an: Drei private Weltraum-Forschungslabore befinden sich in Entwicklung: die Axiom, die Starlab und die Orbital Reef Space Station. Mit ihnen werden sich die Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten in der Schwerelosigkeit vervielfachen und verbilligen. Dies beschleunigt Fortschritt und Innovation. McKinsey und das World Economic Forum beziffern den voraussichtlichen Wert der Weltraumwirtschaft im Jahr 2035 mit 1,8 Billionen US-Dollar. Sie gehen davon aus, dass die Weltraumwirtschaft praktisch für alle Branchen der Welt einen Mehrwert schaffen wird.
Chance für die Schweiz
Für die Schweiz als Hochtechnologie-Land und globaler Innovationsweltmeister eröffnen sich mit den privatwirtschaftlichen Raumstationen hochattraktive Entwicklungschancen. Dank jahrzehntelanger ISS-Erfahrung und Forschungslaboren am Kennedy Space Center ist der Space Hub der Universität Zürich in der Lage, Forscher und Unternehmen der Greater Zurich Area bei ihren ersten Schritten in Richtung Weltraumwirtschaft zu unterstützen.
Dieser Beitrag ist Teil der Serie zum UZH Space Hub. Weitere Artikel aus der Serie: Forschungsflüge in die Schwerelosigkeit
Text: Dr. phil. Calista Fischer, UZH Space Hub
Titelbild: Die Internationale Raumstation – ein nationenverbindendes Forschungslabor im Weltraum – bis heute sind 280 Menschen aus zweiundzwanzig Nationen an Bord der ISS gewesen. (Bild: NASA Johnson)
