Dr. Klara Obermüller «Alte Männer – alte Frauen: alles anders oder gleich?»

Feb 02, 2016

Die profilierte Publizistin und Alumna unserer Universität, Dr. Klara Obermüller, eröffnete ihr Referat mit einem Bild von sich als kleines Kind im Jahr 1942. Hinter ihr sitzen ihre Grosseltern, die mit ihren etwas über sechzig bzw. siebzig Jahren einfach nur alt sind und vom Leben nichts mehr erwarten. Von dieser Art des Altwerdens, so Obermüller, unterscheiden sich heutige alte Menschen in ihrer Vielfalt und Vitalität grundlegend. Aber spiegelt sich diese Diversität der Lebensentwürfe in den von Presse und Werbung verbreiteten Altersbildern auch wider? Anhand zahlreicher Beispiele zeigte die Referentin auf, wie wenig zwischen aktiven Jungsenioren und gebrechlichen Hochaltrigen, wie subtil hingegen zwischen alten Männern und alten Frauen unterschieden wird. Unter den vorgestellten Bildern fanden sich dynamische „Best Agers“, die mit dem Rad über amerikanische Highways flitzen, neben Betagten, die mit Gehhilfen durch herbstliche Parks schlurfen. Und es fanden sich ältere Herren, die in Badehose und mit Surfbrett  ihre Sportlichkeit zur Schau stellen, neben ebenfalls sportlichen älteren Damen, die jedoch nie anders als adrett gekleidet und gut frisiert präsentiert werden. Was in der Fülle der Altersbilder hingegen fast völlig fehlt, ist die Darstellung älterer Menschen, die unter Aktivität noch etwas anderes verstehen als nur sportliche Betätigung oder die Pflege eines Hobbys. Wenn davon Bilder existieren, so die Referentin, dann höchstens solche, die den Mann als erfahrenen Manager im Dienste seiner Firma, die Frau hingegen beim Shopping oder der Optimierung ihres äusseren Erscheinungsbildes zeigen.  Ein Befund übrigens, der perfekt zu einer Medienwelt passt, wo ergraute ältere Herren auf den Bildschirmen nach wie vor ihre Kompetenz unter Beweis stellen dürfen,  während ältere Moderatorinnen längst in der Versenkung verschwunden sind. Fazit: Die Lebenswirklichkeit älterer Menschen mag seit Obermüllers Kindheit vielfältiger geworden sein, die öffentliche Wahrnehmung des Alters hingegen hat mit der Entwicklung nicht Schritt gehalten. Was es brauchte, so die Referentin, ist sowohl eine differenziertere Darstellung der verschiedenen Phasen des Älterwerdens als auch ein erhöhtes Bewusstsein für den nach wie vor vorhandenen „Genderbias“ in der Wahrnehmung bzw. der Darstellung der Geschlechter. 


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