Prof. Dr. Iris Bohnet: «What Works» oder wieso Stereotypen die Wirtschaft behindern

Nov 09, 2016

Es war ein spezieller Tag, zweifellos, am frühen Morgen wurde bekannt, dass Donald Trump neuer amerikanischer Präsident wird, um elf Uhr landete Prof. Dr. Iris Bohnet von Boston kommend in Kloten und erfuhr davon. Eine gute Stunde später stand die Harvard Professorin für Verhaltensökonomie und engagierte Genderforscherin pünktlich in der schönen Aula der Alten Kantonsschule und begann ihr Referat mit den Worten, dass sie wegen dem Wahlresultat immer noch unter Schock stehe.

Sehr professionell schwenkte sie dann auf ihr eigentliches Thema um, das Inhalt ihres letzten Buches ist: Wie lassen sich Vorurteile in unseren Köpfen überwinden, um zu mehr Geschlechtergerechtigkeit zu führen? Bohnet konnte dazu zahlreiche interessante Forschungsbeispiele präsentieren, von den Musikern, die hinter einem Vorhang vorspielen, was die Anzahl weiblicher Mitglieder in verschiedenen Orchestern stark erhöht hat, bis zu den Vorteilen von anonymisierten Lebensläufen («Gibt es in der Schweiz tatsächlich immer noch Lebensläufe mit Foto?», fragte sie kopfschüttelnd) oder Bewerbungsgesprächen ohne Panel und mit strukturiertem Fragekatalog. Der «Gender Bias» stecke in unseren Köpfen, sagte sie, egal ob Mann oder Frau. Solange wir keine männlichen Kindergärtner und weiblichen Ingenieurinnen sehen, bleiben viele Berufsfelder an Geschlechterstereotypen gekoppelt. Die Entkoppelung könne nur geschehen, indem Menschen vorurteilsfrei, mit klar strukturiertem geschlechtsneutralem Vorgehen rekrutiert würden, was der ganzen Wirtschaft zu Gute komme. Mehr als 80 Frauen lauschten den engagierten Ausführungen von Prof. Bohnet. Die Fragerunde war lebhaft und setzte sich beim Stehlunch im Lichthof fort.

Iris Bohnet. What Works. Gender Equality by Design. Harvard University Press 2016.

Iris Bohnet in der Sternstunde Philosophie auf SRF1


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