Rückblick auf den Alumnae Talk

Apr 26, 2018

Das Podiumsgespräch mit Prof. Dr. Bea Latal, Co-Leiterin der Abteilung für Entwicklungspädiatrie am Kinderspital Zürich, fand bei den fast 70 Teilnehmerinnen eine ausgezeichnete Resonanz.

Alumnae Talk

Wie denn die Woche einer Professorin für Entwicklungspädiatrie und Abteilungsleiterin am Kinderspital aussehe, fragte die Moderatorin Denise Schmid ihren Gast als erstes. Die Antwort zeigte, dass Bea Latal eine Frau ist, die das berühmte Multitasking aus dem Effeff beherrscht. Sie führt Mitarbeitergespräche, plant, forscht, hält Vorlesungen, untersucht Kinder mit Entwicklungsstörungen, ist Mentorin für junge Ärztinnen und vieles mehr. Ihr Spezialgebiet ist die Entwicklung von frühgeborenen Kindern und solchen mit angeborenen Herzfehlern. Nicht jedes Kind mit einem solchen Handicap hat Probleme in der Entwicklung, aber doch ein Anteil von rund 30 Prozent. In den letzten Jahren hat man entdeckt, dass bei der Entwicklung von Herz und Hirn teils gleiche Gene im Spiel sind, was einen Teil der zusammen auftretenden Probleme erklären könnte. Bea Latal untersucht mit ihrem Team Kinder aller Altersstufen, darunter sind heute auch viele mit Aufmerksamkeitsstörungen oder solche, die im Kindergarten oder in der Schule auf unterschiedliche Art und Weise auffallen. Auf die Frage, ob heute zu viel pathologisiert werde oder ob im Gegenteil, Kinder mit Problemen zu wenig Unterstützung bekämen, meinte Latal, dass beides stimme. Und sie plädierte für mehr Gelassenheit bei der Beobachtung der eigenen Kinder. Sie stellt fest, dass heutige Eltern sich selbst und ihre Kinder unter einen starken Erwartungsdruck stellen. Manchmal fehle den Kindern gar nichts, es gehe vielleicht nur nicht so schnell oder anders, wie es sich die Erwachsenen wünschen würden. Die Nachfrage nach Abklärungen im Kinderspital ist gross. Jährlich werden rund 2'200 Kinder untersucht, die Wartefrist beträgt neun Monate.

Zur Frage von Frauenkarrieren in der Medizin, sagte sie, dass der Anteil in Führungspositionen an der Medizinischen Fakultät mit knapp 10 Prozent immer noch bedauernswert tief sei. Das habe auch mit der Mehrfachbelastung durch Klinik, Forschung und Familie zu tun. Initiativen zur Frauenförderung, die sie auch aktiv unterstützt, werden in den nächsten Jahren hoffentlich eine Verbesserung bringen. Sie selbst hat von einem mehrjährigen Aufenthalt in den USA sehr profitiert, um den Schritt in die akademische Karriere zu wagen. Dort sei es selbstverständlich gewesen, dass man das auch als Mutter könne und solle.

Denise Schmid


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