UZH Startup Stories: Textshuttle

Published on July 21, 2023

Erfolgreiche Forschungsarbeiten und kreative Ideen motivieren zahlreiche Ehemalige der UZH, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. In der Serie «UZH Startup Stories» stellen wir Jungunternehmer:innen und gestandenen Entrepreneurs Fragen zum Schritt in die Selbstständigkeit. Heute mit Martin Volk, Prof. Dr. und Samuel Läubli, Dr. phil. UZH 2020, den Gründern von Textshuttle.

Unternehmen: Textshuttle, www.textshuttle.com  

Geschäftsidee: Wie, was, warum? 
Wir, Martin Volk und Samuel Läubli, die Textshuttle aufgebaut haben, sind in der Grundlagenforschung zu KI-Sprachverarbeitung tätig. Im akademischen Bereich hat sich schon 2015 – also bereits vor dem Start von DeepL – abgezeichnet, dass der Einsatz von neuronalen Netzen einen Quantensprung für die Qualität der automatischen Textübersetzung bringen wird. Das war der perfekte Moment, um diese Technologie für Unternehmen gewinnbringend aufzubereiten. Seit 2018 entwickeln wir massgeschneiderte Lösungen im Bereich AI Translation für Unternehmen. AI Translation wird heute sowohl von professionellen Übersetzer:innen als auch von Laien genutzt und bei Unternehmen wie der Migros Bank, OBI oder Swiss Life mit einer Effizienzsteigerung von 40 - 60% eingesetzt. Seit dem Frühjahr 2023 bieten wir auch der breiten Öffentlichkeit eine frei zugängliche Plattform für die automatische Übersetzung in den Schweizer Landessprachen. 

Die Gründer:  
Martin Volk ist Professor und Leiter des Instituts für Computerlinguistik an der UZH. Er studierte Informatik, Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz an den Universitäten Koblenz (D) und Georgia (USA). Nach seiner Habilitation an der Universität Zürich war er zunächst Professor für Computerlinguistik an der Universität Stockholm. Dort leitete er ein Pionier-Projekt zum erfolgreichen Einsatz von Maschineller Übersetzung in den Medien (Untertitel-Übersetzung). Seit 2008 ist er Professor an der Universität Zürich mit Forschungsschwerpunkten zur multilingualen Textanalyse und automatischen Übersetzung. 
 
Samuel Läubli studierte Computerlinguistik in Zürich und Künstliche Intelligenz in Edinburgh. Seine Promotion in maschineller Übersetzung erhielt er an der UZH. Er leitet ein 18-köpfiges Software-Entwicklungsteam bei Textshuttle und ist als Lehrbeauftragter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Computerlinguistik der Universität Zürich tätig. 

Das Gründungsjahr: Wann begann es und wann wurde es offiziell?  
Die Firma wurde formell 2010 gegründet, jedoch anfangs kaum genutzt. Dies änderte sich im Jahr 2017, als wir ein erstes Beratungsmandat gewinnen konnten. Kurze Zeit später wurde aus diesem Mandat ein Auftrag für die Entwicklung eines Systems für automatische Textübersetzung zwischen den drei grossen Schweizer Sprachen. 
 
Meet the Team:  
Aus dem Beratungsmandat entstanden Aufträge zur Herstellung von AI-Translation-Lösungen in zwei Unternehmen. Nach Auftragsvergabe wurden 2018 drei UZH-Absolvent:innen (Alena, Chantal und Patrick) befristet in einem Teilzeitpensum angestellt. Die Verträge konnten später mit der Gewinnung von zusätzlichen Projekten verlängert und weitere Personen rekrutiert werden. Nach und nach sind weitere Mitarbeiter:innen dazugestossen, und wir mussten unsere Büroräumlichkeiten mehrmals erweitern. Mittlerweile arbeiten rund 23 Mitarbeiter:innen bei Textshuttle, 18 davon haben einen Hintergrund in Computerlinguistik und/oder Informatik. 

Beste Momente in unserer Startup-Geschichte:
Der Launch unserer kostenlosen Plattform textshuttle.com. Nach 5 Jahren im B2B-Geschäft haben wir den Schritt gewagt und im Mai 2023 eine Plattform für frei verfügbare Übersetzung in allen Landessprachen (inkl. Schweizerdeutsch) und Englisch zur Verfügung gestellt.  
 
Das Beste an der Selbstständigkeit:
Da Textshuttle aus Eigenmitteln gewachsen ist, geniessen wir viele Freiheiten und eine grosse Agilität im Unternehmen. Wir konnten und können selbstbestimmt und unmittelbar Entscheidungen treffen und diese zeitnah umsetzen. Das schätzen wir sehr.  
 
Niemand ist perfekt – Dinge, die wir beim nächsten Mal anders machen würden:  
Wir würden uns von Anfang an mehr Beratung für Themen holen, die nichts mit unseren Kernkompetenzen zu tun haben. Als Gründer:in mit beschränktem Budget bekommt man schnell das Gefühl, dass man von Lizenzverträgen bis zur Steuererklärung alles selber machen müsse. Im Nachhinein hätte es sich gelohnt, für solche und ähnliche Themen früher etwas Geld statt viel Zeit – die dann nicht in die Projektakquise fliessen kann – zu investieren. 

Die dunkle Seite der Selbstständigkeit: 
Freiheit und Agilität ist einerseits sehr schön, bedeutet aber auch viel Arbeit, Motivation und Durchhaltewillen. In einem kleinen Team muss jede:r anpacken und sich über den eigenen Kompetenzbereich hinaus im Unternehmen engagieren, weil spezialisierte Fachkräfte nicht verfügbar sind. Das ist eine grosse Herausforderung.  

Dos & Don't's:  
Definitiv ein Do ist Dinge wagen und Risiken eingehen – klingt banal, aber wir stellen uns immer wieder neuen Herausforderungen, wie zum Beispiel zuletzt das Projekt der öffentlichen Übersetzungsplattform. Gerade in der Technologie-Branche verändert sich der Markt sehr schnell. Wir beobachten laufend die Marktbedürfnisse sowie aktuelle Entwicklungen in der Forschung und lassen diese in unser Angebot einfliessen.

Beste Teambuilding-Übung: 
Wir führen regelmässig Team-Events und Workshops durch. Eines unserer Jahreshighlights ist jeweils der gemeinsame Hackathon im Sommer, wo das gesamte Team für eine Woche verreist und an einer Aufgabe arbeitet – und natürlich auch viel für das Teambuilding macht.  

Inspiration - unsere Vorbilder:  
Unsere Vorbilder sind unsere Mitarbeiter:innen, allesamt junge und sehr motivierte Menschen, von denen wir viel mitnehmen und lernen können.

Die UZH bedeutet für uns:   
Austausch, Vernetzung und Zukunft. Wir durften schon bisher mit talentierten Student:innen und Absolvent:innen der UZH arbeiten. Viele unserer Mitarbeiter:innen haben an der UZH Computerlinguistik oder Informatik studiert oder gelehrt, einige tun dies immer noch.


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Seit 1999 wurden an der Universität Zürich mehr als 100 Spin-offs gegründet, die basierend auf Technologien der UZH neue Produkte entwickeln oder zur Marktreife führen. Studierende und Ehemalige der UZH gründeten zudem eine Vielzahl weiterer Startups. Seit 2017 vergibt die UZH ausgewählten Spin-offs und Startups das UZH-Startup-Label. Mit dem UZH-Startup-Label werden Unternehmen Teil einer innovativen Gemeinschaft an der Universität Zürich.
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Anna-Julia Lingg, UZH Alumni

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