UZH Startup Stories: Recolony

Am May 9, 2023 veröffentlicht

Erfolgreiche Forschungsarbeiten und kreative Ideen motivieren zahlreiche Ehemalige der UZH, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. In der Serie «UZH Startup Stories» stellen wir Jungunternehmer:innen und gestandenen Entrepreneurs Fragen zum Schritt in die Selbstständigkeit. Heute mit Ana Montalban-Arques, Entrepreneurs Fellowship der UZH 2020, Egle Katkeviciute, Dr. sc. nat UZH 2021 und Philipp Busenhart, Dr. sc. nat. UZH 2021, Gründerteam von Recolony AG.

Unternehmen: Recolony AG, www.recolony.ch

Geschäftsidee: Wie, was, warum? 
Krebs ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit, mit geschätzten 19,3 Millionen Neuerkrankungen und fast 10 Millionen Todesfällen im Jahr 2020. Darmkrebs (CRC) ist die dritthäufigste Krebsart und die zweithäufigste Ursache für Krebssterblichkeit weltweit. In fortgeschrittenen Stadien liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei Darmkrebs unter 15%. Die derzeitigen Therapien sind nicht nur wenig wirksam, sondern haben auch häufig schwere Nebenwirkungen, die die Lebensqualität von Darmkrebspatient:innen erheblich einschränken. Auf der Grundlage von Daten menschlicher Darmkrebspatient:innen haben wir bestimmte Bakterien identifiziert, die bei erkrankten Menschen weniger häufig vorkommen als bei gesunden Menschen. Wenn diese Bakterien in Mäusen eingesetzt werden, zeigen sie eine sehr hohe Wirksamkeit als Monotherapie in verschiedenen Darmkrebsmodellen sowie in anderen soliden Tumorentitäten durch spezifische Aktivierung von CD8+ T-Zellen. Unser Ziel ist es, diese Bakterienstämme in gefriergetrockneter Form in magensaftresistenten Kapseln, die im Dickdarm freigesetzt werden, Krebspatient:innen zu verabreichen. 

Darüber hinaus haben wir den Metaboliten identifiziert, der für die immunaktivierende Wirkung verantwortlich ist, sowie den Rezeptor, gegen den dieses Molekül gerichtet ist. Da unsere In-vivo-Daten zeigen, dass die Aktivierung dieses spezifischen Rezeptors ausreicht, um eine starke Anti-Tumor-Immunwirkung hervorzurufen, wollen wir in einem zweiten Projekt ein therapeutisches Molekül entwickeln, das auf diesen Rezeptor abzielt.

Die Gründer:innen: 
Ana Montalban-Arques, PhD in Molekularer Medizin an der Medizinischen Universität Graz; Egle Katkeviciute, PhD in Immunologie und Mikrobiologie an der UZH; Philipp Busenhart, PhD in Krebsbiologie an der UZH und Michael Scharl, Professor für Translational Microbiome Research USZ/UZH.

Das Gründungsjahr: Wann begann es und wann wurde es offiziell? 
Recolony wurde im September 2022 als AG gegründet, obwohl wir das Projekt bereits im September 2020 begonnen haben, als Ana Montalban-Arques ein Entrepreneur Fellowship der UZH erhielt.

Wegbereiter und Pioniere:
Recolony ist aus der Postdoc-Arbeit von Ana Montalban-Arques an der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie USZ/UZH unter der Leitung von Prof. Michael Scharl entstanden. Diese Forschung begann 2018 und wurde 2020 aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse in ein Start-up-Projekt umgewandelt.

Meet the Team: 
Wir begannen mit drei Personen im Managementteam (Ana, Egle und Philipp). Jetzt sind wir ein Team von fünf Mitarbeitenden, darunter ein Bioinformatiker, Martin Schwill, und eine wissenschaftliche Mitarbeiterin, Francesca Ferraro. Wir sind bestrebt, das Team kontinuierlich zu erweitern, je nach den Fähigkeiten, die für den Erfolg des Unternehmens erforderlich sind.

Wichtigste Meilensteine: 
Wir feiern jeden Schritt, der uns der Einführung unserer bakterienbasierten Krebstherapie in die Kliniken näherbringt. Der erste wichtige Meilenstein war die Validierung unserer bakterienbasierten Therapie in mehreren soliden Tumormodellen. Danach war die Entdeckung des Wirkmechanismus unserer Bakterien, einschliesslich der Identifizierung des aktiven bakteriellen Moleküls, ein grosser Schritt. Dies verschafft uns einen Vorteil gegenüber anderen mikrobiota-basierten Ansätzen, bei denen der Wirkmechanismus meist unbekannt ist. Für die Entwicklung des Projekts zu einem Unternehmen waren zudem das Onboarding bei Wyss Zürich und die Gründung unserer Firma als AG wichtige Meilensteine.

Das Beste an der Selbstständigkeit oder was wir daran lieben: 
Was wir an unserem eigenen Startup lieben, ist, dass wir uns vollkommen für die Projekte engagieren, die wir entwickeln. Wir haben von Anfang an an Recolony gearbeitet und jeder Erfolg, den das Unternehmen erreicht, ist unser eigener. Zielstrebigkeit und Engagement sind der Schlüssel für den Erfolg eines Startups. 

Niemand ist perfekt – Dinge, die wir beim nächsten Mal anders machen würden:
Es ist sehr wichtig, sich vor Beginn eines Prozesses über Zeitpläne im Klaren zu sein, die ausserhalb der eigenen Kontrolle liegen. Vielleicht haben wir einige dieser Prozesse unterschätzt, die sich als langwierig und mühsam herausstellten.

Das ist die dunkle Seite der Selbstständigkeit:
Auf dem Weg gibt es viele Unbekannte, und oft muss man erst lernen, wie etwas geht, was durchaus auch eine lohnende Seite hat. Ein Start-up zu haben ist auch gleichbedeutend mit der Beschaffung von Finanzmitteln. Das kann schwierig sein, und man muss seine Finanzstrategie sehr gut im Voraus planen, um nicht in finanzielle Engpässe zu geraten.

Dos & Dont's:
Das Gründerteam muss sich vertrauen und einig sein. Fähigkeiten können erlernt werden, Erfahrung kommt mit der Zeit, aber Vertrauen und Visionen müssen von Anfang an vorhanden sein. Natürlich müssen die richtigen Berater und Vorstandsmitglieder aufgrund ihrer Fachkenntnisse und ihres Engagements für das Vorhaben gesucht werden, aber auch auf der Grundlage des eigenen Bauchgefühls und der persönlichen Interaktion – es muss auf allen Seiten stimmen.

Beste Teambildungsübung:
Die Einführung und Aufrechterhaltung von Traditionen innerhalb des Teams, wie z. B. das Feiern wichtiger Erfolge und Ereignisse, ist ein guter Weg, um ein Team zusammenzuhalten. Vor allem in kleinen Teams ist es wichtig, zwischendurch Gespräche zu führen, die nichts mit der Arbeit zu tun haben.

Inspiration – unsere Vorbilder:
Wir lassen uns von den Erfolgsgeschichten anderer Start-ups inspirieren, entweder in unserem Bereich oder in unserer Region. Menschen, die ähnliche Herausforderungen bewältigt und einen Weg zum Erfolg gefunden haben.

Die UZH bedeutet für uns:
Die UZH war die erste, die an den Erfolg von Recolony geglaubt hat und uns sowohl finanziell als auch persönlich unterstützt hat. Zuerst mit dem Entrepreneur Fellowship und später mit Wyss Zürich. Auch für die Unterstützung, die wir von der TDA, dem Innovation Hub, dem BEI-Programm und Unitectra erhalten haben, sind wir sehr dankbar. Wir freuen uns über den Weg, den wir bisher gemeinsam gegangen sind, und auf den Erfolg in den kommenden Jahren.
 

Das Gründungsteam von Recolony: Egle Katkeviciute, Ana Montalban-Arques und Philipp Busenhart (v.l.n.r.)

UZH Startup Label
Seit 1999 wurden an der Universität Zürich mehr als 100 Spin-offs gegründet, die basierend auf Technologien der UZH neue Produkte entwickeln oder zur Marktreife führen. Studierende und Ehemalige der UZH gründeten zudem eine Vielzahl weiterer Startups. Seit 2017 vergibt die UZH ausgewählten Spin-offs und Startups das UZH-Startup-Label. Mit dem UZH-Startup-Label werden Unternehmen Teil einer innovativen Gemeinschaft an der Universität Zürich.
Sind Sie Entrepreneur:in? Beantragen Sie das UZH-Startup-Label.


UZH Alumni Entrepreneurs
Spin-offs und Unternehmer:innen der Universität Zürich spielen eine immer wichtigere Rolle im Schweizer Startup-Ökosystem. Das interdisziplinäre Chapter UZH Alumni Entrepreneurs widmet sich der Förderung von Innovation, Leadership und Unternehmertum. Mehr erfahren


Anna-Julia Lingg, UZH Alumni

Weitere UZH Startup Stories