Netzwerken beginnt mit einem Gespräch

Published on October 6, 2026

Alle reden von Networking. Aber wie geht das eigentlich? Rund 150 Teilnehmende, viele davon junge Absolvent:innen und Berufseinsteiger:innen, gingen vergangene Woche am Anlass «Level up your network» der UZH Alumni dieser Frage nach. Die Diskussion zeigte: Das perfekte Rezept für erfolgreiches Netzwerken gibt es nicht. Denn Beziehungen entstehen nicht durch Networking-Tricks, sondern durch echtes Interesse an anderen Menschen.

Auf dem Podium diskutierten UZH-Alumna und Moderatorin Anik Leonhardt, UZH-Alumnus Tobias Zehnder, Mitgründer der Agentur Webrepublic, Tobias Dienlin, Professor für empirische Kommunikations- und Medienforschung an der UZH, und Masterstudentin Nina Kälble darüber, wie berufliche Beziehungen entstehen und was erfolgreiches Networking tatsächlich ausmacht. 

Dabei wurde schnell klar: Netzwerken ist keine angeborene Superkraft. Wer sich in einer neuen Runde unsicher fühlt, ist damit keineswegs allein. In einem Raum voller unbekannter Gesichter braucht man oft Mut, um jemanden anzusprechen. Doch wie das Podium augenzwinkernd festhielt: Weniger als nichts sagen, kann man nicht.

Echtes Interesse schlägt jede Strategie

Besonders spannend waren die persönlichen Erfahrungen der Podiumsgäste. Tobias Zehnder erzählte, dass ihm erst Jahre später bewusst wurde, wie wichtig seine Kontakte aus der Studienzeit für seine berufliche Laufbahn waren. Als Mitgründer von Webrepublic konnte er auf ein Netzwerk zurückgreifen, das lange vor der Unternehmensgründung entstanden war. 

Tobias Dienlin knüpft vor allem an Fachtagungen und Konferenzen neue berufliche Beziehungen. Das gemeinsame Interesse an einem Thema erleichtert den Austausch natürlich. Erfolgreiches Netzwerken hat für ihn darum weniger mit dem Sammeln von LinkedIn-Kontakten zu tun, sondern mit echtem Interesse und Neugier auf andere Menschen.

Nina Kälble brachte einen Gedanken ein, der beim Publikum besonders gut ankam: Neue Kontakte zu knüpfen, bedeute oft auch, positiv aufgeregt zu sein. Eine Formulierung, in der sich viele wiederfanden. Networking muss weder perfekt sein noch allen leichtfallen. Man lernt es nicht durch zuschauen, sondern indem man es ausprobiert. Ein Satz aus dem Publikum brachte es auf den Punkt: «Sprechen ist menschlich.»

Für einen weiteren Aha-Moment im Saal sorgte die Erkenntnis: Gespräche dürfen unkompliziert enden. Ein ehrliches «Danke, hat mich sehr gefreut. Ich mache jetzt noch die Runde» ist völlig in Ordnung.

Von der Diskussion in die Praxis

Nach der Podiumsdiskussion wurde es praktisch: In Roundtables diskutierten die Teilnehmenden in kleineren Gruppen. Ob versteckter Arbeitsmarkt, Social Media und Jobsuche, Unternehmertum oder Karrierewege in der Medizin: Die Teilnehmenden konnten Fragen stellen, Erfahrungen austauschen und Einblicke aus unterschiedlichen Branchen gewinnen.

Beim Apéro wurde die Theorie schliesslich zur Praxis. Überall im Raum entstanden neue Begegnungen, wurden Erfahrungen geteilt und Kontakte geknüpft. Damit wurde der Abend selbst zum besten Beweis für seine zentrale Botschaft: Die besten Netzwerke entstehen nicht durch Kontaktlisten, sondern dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen.


Text: Anna-Julia Lingg, UZH Alumni
Bilder: Lea Della Zassa

Impressionen